Hello all/ hola todos
„Ich muss für die Schule einen Aufsatz schreiben, was alte Leute tagsüber so üblicherweise machen. Wer hilft mir dabei?“ Mit diesem spontanen Hilferuf eines spanischen Schulmädchens “Elia” in Yahoo! sammelten sich innerhalb ein paar Stunden eine bunte Mischung an Antworten Spanisch schreibender Forumsbesucher. Chronologisch vom Frühstücken mit und ohne Telenovelas (Fernsehserien); Hausarbeit, Einkaufen auf dem Markt oder im Supermarkt; Essenzubereitung, Mittagsschläfchen, Freunde treffen, Abendessen, Familie treffen, zu Bett gehen. ältere Herren offensichtlich aus Spanienn: In die Bar gehen, um Freunde zu treffen, dort was Trinken, gemeinsam Fernsehen, mit den alten Kumpels Stierkampf oder Fußball angucken. Enkel in den Kindergarten oder in die Schule bringen und abholen, mit der Familie zusammen sein. Und das Gegenteil: Den ganzen Tag traurig sein, weil ich alle bin. Aus Lateinamerika: in die Kirche gehen, um für die Familie zu beten; in die Kirche gehen, um dort Freundinnen treffen. Aus den USA: Bingohalle besuchen, Frisör und Manikür; Sport allgemein. Auch aus den USA: Sozialarbeit in der Gemeinde als „community work“. „Arbeiten“, ohne dass man ablesen könnte, was und in welchem Alter. Mit Freundinnen verreisen, mit anderen über alte Zeiten reden. Mein klammheimlicher Favorit: Über die Strassen und Plätze schlendern, andere Leute beobachten, sich mit Altersgenossen gemeinsam über junge Leute lustig machen (!).
Die Retourkutsche kam offensichtlich von einigen jüngeren Forumteilnehmern, die der jungen Aufsatzschreiberin aufzählten, dass Alte tagsüber vor allem gerne redliche Mitmenschen stören, sei es als fahrende und wandelnde Verkehrshindernisse oder als zähe Münzenzähler vor Kassierschlangen.
– Nur zu gern hätte ich den fertigen Aufsatz jener „Elia“ gelesen! So blieb mir nur, das Rohmaterial in alter Markt- und Sozialforschermanier zu sichten. –
Bei aller Vielfalt der Aufzählungen: es blieb eine gewisse hispanische Essenz: Da wurden vor allem Aktivitäten in Bezug auf andere als typische Altenbeschäftigung aufgelistet; vom was Trinken in der Kneipe bis hin zum gemeinsamen Lästern von der Parkbank aus. Das meiste außerhalb der eigenen Wohnung, sogar kollektives Fernsehen im Lokal. Die Wohnung bleibt privat, nur für die Familie, überwiegend als Tagesrandaufenthaltsraum.
Spannend fand ich zudem, was nicht genannt wurde, weder seitens der bekennenden Alten noch seitens derer ebenfalls bekennenden Gegner aus dem hispanischen Milieu. Tätigkeiten, die vermutlich ins deutsche Beobachtungsschema fallen würden: alleine Lesen und Fernsehen, Hobbies im Keller pflegen, Garten, Arztbesuche, Autowaschen…
Wollen wir mal eine Forumsumfrage starten, was man hierzulande für typische Altenbeschäftigungen hält? Wäre ja was für Leute mit mächtig Zeit!
Hasta pronto, amigas y amigos!
Ihr Global Oldy
– el viejo mundial –
P.S. Heute soll Honoré de Balzac das letzte Wort haben:
“Alte sind Menschen, die selbst schon gegessen haben und nun zusehen, wie andere essen”