
Wie mag sich die sterbende Frau gefühlt haben? War sie stolz auf ihren erfolgreichen Sohn und daruf, dass er gerade Mediengeschichte schreibt und sie ein Teil davon war? Oder hätte sie lieber die letzten Tage die volle Aufmerksamkeit ihres Sohns gehabt?
Ich stelle es mir jedenfalls grausig vor, wenn sich jetzt Angehörige von Sterbenden überall auf der Welt zu Wort melden und von ihren Erlebnissen in Intensivstationen und Hospizen ebrichten. Wofür ist das gut?
Es wäre sinnvoll, wenn es Mißstände über die frittierten Zwiebeln in der Krankenhaus-Kantine (die Scott erwähnt) gäbe und auf diese würde so aufmerksam gemacht werden. Aber das individuelle Schicksal, der verletzliche Moment des Hinübergleitens in eine andere Welt, in Echtzeit und auf 140 Zeichen vor einem Millionepublikum zu reduzieren, das finde ich eine Zumutung für alle Beteiligten.
Zu einem guten Journalismus gehört auch, dass man analysiert, einordnet, kritisiert und gewichtet.
Simon Scott hat dies alles sicher schon oft gemacht. Dass er jetzt das Private entgültig öffentlich macht, zeigt eine erschreckende Entwicklung. Niemand darf sich mehr zurückziehen, abschalten, im großen Medienrauschen stumm bleiben. Nicht eimal als Sterbender.
Bin ich zu empfindlich, oder stört diese Art der Befriedigung des Voyerismus auch andere?





Eine Antwort
wir geben ihnen recht, ein feigling, der selber angst vor der sterbesituation hat und sich hinter twittern versteckt. wie hirnlos, wie kalt, arme welt-