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etwas ist mir beim Reisen nun doch wesentlich leichter geworden: Das Gepäck. Egal ob für Auto, Bahn oder Flieger. Ich schleppe deutlicher weniger Gewicht und Volumen mit herum als noch vor ein paar Jahren. Was mir meine Nerven beim Packen und Gelenke beim Tragen danken. Diese erfreuliche Verschlankung hat mehrere Ursachen. Da wäre die Erfahrung, was sich am Ende der bisherigen Reisen als ungebraucht erwiesen hatte. Z.B. die altgewohnte Pfadfinderausrüstung, bestehend aus Multitool, Rettungsfolie und Erste-Hilfe-Tasche. Die Zeiten für ehrgeizige Abenteuerausflüge zu Fuß oder per Boot sind altersbedingt endgültig vorbei; ein Eingeständnis, das mir schwergefallen war. Dann verzichte ich auf Flüssigkeiten, die ich früher aus der Heimat importierte: Mundwasser, After-Sun, Toilettenartikel vom Rasierwasser bis zur Zahncreme: In der Summe mehr als ein Kilo. Diese Artikel gibt es inzwischen an den entlegensten Orten und bringen lokalen Kleinhändlern etwas Umsatz, wenn ich mich damit am Ziel eindecke. Eine Ausnahme mache ich noch bei Sonnencreme; die wird mancherorts nur mit Bleichmittel angeboten.

Zudem reise ich nun mit weniger und platzsparender Bekleidung. Eine gewisse Lässigkeit des Dresscodes hatte schon vor einem Jahrzehnt in den Weltmetropolen eingesetzt; egal ob in Büros, Hotels oder Restaurants; von Tourismusorten ganz abgesehen. Anzug, Jacketts und Krawatten wichen zunehmend dem „casual dress code“. Die Pandemie beschleunigte den Home-Office-Trend und damit gleichzeitig die dort in den Zoom-Meetings akzeptierte saloppe Freizeitkleidung bis hin zu Sport-Outfits.  Viele Kleidungsstoffe sind pflegeleichter geworden. Sie ermöglichen die flinke Wäsche unterwegs und ohne Bügelaufwand. So dass ich weniger Einzelteile einpacke und dafür öfters selbst wasche. Früher nahmen bei mir Lederschuhe einen gewichtigen Platz im Koffer ein. Die brauche ich kaum noch. Fast überall kann ich mich inzwischen mit Turnschuhen, leichten Sneakers oder Loafers bewegen, ohne unangenehm aufzufallen. Zudem sind die Mitbringsel weniger geworden. Weder erwarten die Besuchten heute noch größere Geschenke, noch belaste ich mich mit Souvenirs, die zuhause vor sich hin staubten, falls sie die Rückreise heil überstanden hatten.

Letztlich hat das Leergewicht der Koffer und Taschen wesentlich abgenommen, dank zäher Fasern und Schalen aus Polycarbonat oder Polypropylen. Meine alten, sehr robusten Hartschalenkoffer wogen ca. 6 Kilo; die heutigen knapp die Hälfte, obwohl ich diese gar nicht mehr tragen muss, sondern auf Rollen hinter mir herziehen kann. Auch mein heutiges Handgepäck ist bequemer. Bücher und Zeitschriften habe ich weitgehend durch Tablet, Mobile-Phone und E-Reader ersetzt. Akten brauche ich keine mehr. Falls der Laptop mitreist, so ist auch der neue leichter, bei längerer Akkulaufzeit. Als Wohltat empfinde ich einen Bordcase auf vier Rollen. Manchmal nehme ich nur einen inzwischen salonfähigen Rucksack mit, den ich angenehmer trage als meine damalige Reisetasche zum Umhängen oder den Pilotenkoffer.

Allerdings muss für mich als morschender Kerl auch einiges neu ins Gepäck. Ein Nordic Walking-Stock als Gehhilfe bei längeren Strecken; Medikamentenvorrat, Ersatzbrillen und Gerät zur medizinischen Selbstkontrolle. Ins Handgepäck kommt mehr Wärmendes für unterwegs und eine Wechselgarnitur – für unvorhersehbare Reiseverläufe wie Sperrungen oder Gepäckschwund. Ja, ich reise wieder; mit weniger Gepäck, aber mit mehr Vorsicht.

Ihr Global Oldie