Wir ersticken inzwischen in einer Flut elektronischer Nachrichten. Foto: Thomas Ulrich/Pixabay

Die Älteren können sich vielleicht erinnern. Morgens befüllte da der Postillon den Briefkasten mit diversem Schriftgut, das man dann in freudiger Erwartung mit einem Brieföffner aus Edelmetall bearbeitete, heimlich darauf hoffend, es möge ein Liebesgedicht dabei sein. Im Laufe der Zeit nahmen jedoch Rechnungen und Werbung überhand, weshalb sich zuerst mal das mit der freudigen Erwartung legte. Später verzichtete man oft gänzlich auf den Gang zum Briefkasten. Was sollte da schon drin sein? Höchstens die Flyer irgendeines Zustellers, der des Lesens des »Keine Werbung«-Aufklebers nicht mächtig war.

Was die Kastenleerung angeht, scheinen viele säumig zu sein. Wie sonst wäre zu erklären, dass die Post neuerdings einen Benachrichtigungsservice offeriert, der einem per Mail ankündigt, wenn Briefpost zu erwarten ist. »Sie erhalten in Kürze einen Brief«, kann man da lesen. Vorausgesetzt, man verhält sich, was das Öffnen des Mailprogramms angeht, nicht ebenso säumig wie beim Briefkasten. Ich beispielsweise ersaufe mittlerweile nämlich in Spammails, weil es mein Provider (der mit der einfachen Rechenaufgabe) nicht mehr hinbekommt, diese herauszufiltern. Somit würde es mich Stunden kosten, nachzuprüfen, ob da was Wichtiges dabei ist. Meine Bekannten habe ich deshalb angehalten, mir zusätzlich per WhatsApp, Facebook oder Twitter mitzuteilen, wenn sie mir was gemailt haben. 

Sollten sie mir wiederum einen Brief schreiben wollen, ein Liebesgedicht gar, dann müssten sie mir also per WhatsApp, Facebook oder Twitter posten, dass demnächst eine Mailbenachrichtigung der Post bei mir eintrudelt, die ich beherzigen sollte, weil diese wiederum einen Brief ankündigt. Damit wirklich nichts schief geht, werden Mail- und Briefankunft teilweise noch zusätzlich mit einem telefonischen Anruf abgesichert. Neulich hat mir einer auf diesen Wegen eine Postkarte in Aussicht gestellt, auf der er seine neue Mailadresse bekannt geben wollte. Die Karte habe ich leider versehentlich mit der Werbung zum Altpapier geworfen. 

Vor Jahren hat mal jemand behauptet, das Medium sei die Botschaft. So hat er das aber wohl nicht gemeint. 

Peter Viebig 

Thomas Ulrich/Pixabay