Sie diskutierten auf der sechs+sechzig-Bühne der inviva über den Nutzen von Smart Home-Lösungen für ältere und behinderte Menschen: Günther Ohland, SmartHome Initiative Deutschland, VdK-Präsidentin Verena Bentele (Mitte), und Innenarchitektin Carmen Dittrich. Foto: mic

So lange als möglich in den eigenen vier Wänden leben, so lange als möglich nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein – das ist der Wunsch fast aller älterer Menschen. Moderne Technik soll das heute möglich machen, das Schlagwort heißt Smart Home. Es verspricht, dass Häuser und Wohnungen intelligent werden und auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner reagieren: Ob durch elektronische Sicherheitssysteme, Licht-, Heizung- oder Rollladensteuerung oder smarte medizinische Helfer, die bei Gesundheitsproblemen warnen oder automatisch Notrufe auslösen.

Soweit die Theorie bzw. die Werbeversprechen einer inzwischen kaum mehr überschaubaren Anbieterzahl von Smart Home-Systemen. Welche dieser Lösungen aber ist die richtige für mich, wie sicher sind die Systeme, was leisten sie? Und wo kauft man eigentlich ein Smart Home? Wer baut es ein, wartet es, und was kostet was? Diese Fragen stellten die sechs+sechzig-Moderatoren Carmen Dittrich und Michael Nordschild Experten wie Günther Ohland (SmartHome Initiative Deutschland e.V.) oder Matthias Kuhn, der die Nürnberger Innungen Heizung, Sanitär, Klima sowie Elektro- und Informationstechnik vertrat, beim Thementag Smart Home am 27.2. auf der inviva 2020.

Verbraucher tun sich noch schwer

Ohland ist ein Mann der ersten Stunde, seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Smart Home. Er hat zahlreiche Bücher darüber geschrieben und ist durchaus selbst- bzw. branchenkritisch geblieben, auch wenn er der Technologie ein große Zukunft vorhersagt. Aktuell seien bereits jede Menge Smart Home-Lösungen auf dem Markt, viele Preissegmente und Einsatzszenarien würden abgedeckt, das Angebot der lebenserleichternden technischen Helfer steigt von Tag zu Tag. Allein der Verbraucher tut sich immer noch schwer, im Angebotsdschungel den Durchblick zu behalten. Denn in Sachen kompetente Beratung bestehe immer noch Nachholbedarf, und zwar sowohl beim Handel als auch beim Handwerk. Transparenz vermissen Laien auch beim Preisspektrum, den Eigenheiten der verschiedenen Vernetzungsmöglichkeiten und dem Installationsaufwand. Das alles macht es Verbrauchern schwer, eine fundierte Investitionsentscheidung zu treffen.

Bentele appelliert an Forschung, Industrie und Sozialpartner

Verena Bentele, VdK-Präsidentin und unter anderem 12-malige Paralympics-Gewinnerin, mahnte bei der Experten-Diskussion auf der Bühne an, dass Technik, die älteren oder behinderten Menschen das Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht, für diese auch bezahlbar sein muss. Gesetzgeber und Sozialsystem sind nach ihren Worten gefordert, wirklich sinnvolle Maßnahmen finanziell zu unterstützen. Außerdem appellierte sie an Forschung und Industrie, die potentiellen Nutzer stärker und frühzeitiger in die Entwicklung der smarten Geräte und Systeme einzubinden, denn was nutzt die beste Technologie, wenn deren Bedienung den Betroffenen Rätselraten aufgibt?

Es gibt also noch viel zu tun. Allerdings waren sich die Fachleute einig, dass bereits durchaus nützliche Smart Home-Systeme für private Haus-, Wohnungsbesitzer oder Mieter erhältlich sind, die sich Energieeinsparung, Einbruchsschutz, mehr Komfort oder individuelle elektronische Alltagshelfer wünschen. Und zwar zu Preisen, die nicht mehr den Geldbeutel sprengen und mit einem Aufwand bei Einbau und Wartung, der es auch technisch etwas Versierten ermöglicht, einige Komponenten selbst zu installieren. Das gilt natürlich nicht, wie Matthias Kuhn betonte, wenn Stromkabel im Spiel sind, denn dann ist schon aufgrund der Rechtslage bzw. in Sachen Versicherungsschutz die Einschaltung eines Fachmanns Pflicht.

Ratgeber zur Vorbereitung

Ebenfalls Pflicht ist, sich selbst erst einmal klar zu werden, wie das persönliche Smart Home genau aussehen soll: Was will man steuern, gibt es sensible Daten, die nur im Haus verarbeitet werden sollen, welche Geräte und Übertragungssysteme sollen eingesetzt werden? Dazu ein paar Tipps, die es Interessenten ermöglichen, ihre Vorstellungen zu konkretisieren und eine  Investitionsentscheidung oder eine Beratung durch Fachleute vorzubereiten. Sie finden Sie unter den folgenden Links:

Text und Foto: mic