Hello All,
in Chinas Stadtparks sind da und dort Wäscheleinen gespannt, an denen Dutzende gedruckte oder handgeschriebene Zettel flattern: Die wortwörtliche Variante des „On-Line“ Datings. Sie floriert trotz der weit überdurchschnittlichen Web- und App- Affinität der Chinesen. Einige Partnersuchleinen sind spezialisiert auf junge Männer. Annonciert von deren Eltern mit Merkmalen wie Ausbildung, Wohnungseigentum, Autobesitz, Einkommen, Sternzeichen, samt Passbild. Wobei ich mir unsicher bin, ob die beworbenen Jungmänner von dieser Initiative ihrer Eltern oder Großeltern wissen; ob sie diese Fürsorge gutheißen. Oder von vornherein dem Unterfangen Chancenlosigkeit unterstellen und somit die Alten unwidersprochen gewähren lassen. Offensichtlich interessierte jüngere Frauen habe ich an diesen Leinen bisher nicht beobachtet.
An anderen Dating-Schnüren herrscht jedoch wesentlich lebhafterer Verkehr. Die Suchenden und Gesuchten sind Senioren. Deren Inserate akzentuieren Familienstand, Altersbezüge, Krankenversicherung, Gesundheitszustand und Wohnberechtigung. In Beijings Zongshanpark und Changpupark sitzen die Partnersuchenden neben und in Tanzpavilions, um Blinddates ohne Zeitverlust mit Tuchfühlung aufzuwerten. Die Tanzmusik kommt aus mitgebrachten Geräten. Das mit den Zetteln und der eigenen Präsenz an den Datingplätzen hat Vorteile gegenüber den Matchmaking-Apps: Diskreter, regionaler, billiger und spontaner. Und die erwachsenen Kinder können das im Internet nicht mitverfolgen – und vermiesen. Analoges „On-Line/Leine“ – kein Widerspruch in China und obendrein vorteilhaft!
Ihr Global Oldie