Hello All, Herr Onassis tat es mit Komboloiketten (s.u.), Humphrey Bogart mit Zigaretten und Milliarden postmoderner Menschen mit Smartphones: den Fingern Bewegung gönnen, wenn Menschen sich anderweitig ruhig verhalten müssen. Offensichtlich sind wir eine rastlose Spezies, die zumindest ihren Fingern den Auslauf kaum verwehren kann. Während Sitzungen kritzeln, beim Redenschwingen Kugelschreiber drehen, mit der Brille fummeln, beim Glotzen mit Fernsteuerung hantieren, das eigene Haar oder Katze kraulen – wo ich auch hinsehe: Leute bewegen die Finger, bewusst oder unwillkürlich, egal welchen Alters. Brachten im Laufe der Evolution die Gene der rastlos Fingernden eine höhere Überlebenschance, und so den Homo Sapiens hervor? Hat der Hang zum Fingerspiel relevante Zufallserfindungen ermöglicht? Wie auch immer, völlig still halten ist sauschwer. Jeder, der versucht hat zu meditieren oder in Billigfliegern nicht mit den Sitznachbarn zu kollidieren, kennt die Herausforderungen des Stillsitzens. Ist vielleicht gesellschaftlicher Erwartungsdruck im Spiel, allzeit aktiv zu erscheinen? Jäger, Sammler, Bauern, Arbeiter, Angestellte und Freischaffende- alle haben werktags die Hände und damit die Finger im Spiel. Aber im Ruhestand – was kann man da den Fingern salonfähig stundenlang bieten? Ältere Damen konservativer Prägung dürften nötigenfalls ihre Finger landessittenkonform mit haushaltsnahen Verrichtungen und in Gesellschaft mit Stricken oder Häkeln in Übung halten – doch wie rettet sich der ältere Herr traditioneller Gesellschaften dezent über seine inhärente Rastlosigkeit?
Von Griechenland bis in den Orient bieten sich hierzu Komboloi- oder Misbahaketten an, die man diskret in der Hosentasche, unter dem Kittel oder auch offen durch die Finger gleiten lassen kann; zeitlose Handschmeichler aus aufgereihten runden Steinen, aus Kunststoff, Kiesel, Bernstein oder Silber, je nach Rang und Vermögen. Deren Hantierung beruhigt ungemein, sagte mir ein Eingeweihter Herr in Kreta; und Glück könnten diese Ketten auch bringen, vorausgesetzt man habe die richtige zwischen den Fingern. Zur Raucherentwöhnung (siehe Bogart) ebenso geeignet wie zur Stressabfuhr im politischen Geschäft. Ministerpräsident Papandreou habe so seinen aufreibenden Beruf überstanden. Hantieren der Komboloiketten ist eine sozial anerkannte Ersatzbetätigung unter reiferen Semestern. Und zieht trotz intensiver Beschäftigung keine orthopädischen Syndrome nach sich wie Handy- SMS- oder Smartphonedaumen. Einfacher als ein iPhone zu bedienen, wesentlich ästhetischer und würdevoll zu vererben. Dank den Errungenschaften des Orients!
Ihr Global Oldie