vignette2012 Hello All, vor ein paar Tagen las ich eine aktuelle australische Studie*  zur Beziehung der Generationen: Wie sehen junge Australier das Alter? Wie schätzen die Alten sich selbst und deren Verhältnis zu den Jüngeren ein? Also, demzufolge ist das nicht so dolle mit dem Altern dort im „Down Under“. Jungen Aussis erscheint Altern in erster Linie eine Ansammlung von Verlusten: Weniger Gedächtnis, Gesundheit, Geld und Zurechtkommen in der Moderne. Von wegen reich an Lebenserfahrung, Zuneigung, Freiheit, Zufriedenheit mit Geschaffenem. Nein, es fällt den Jungen so gut wie nichts Erstrebenswertes zur Seniorität ein. Arme Dinger, das ist ja schaurig, auf was sie da selbst mit Karacho zusteuern, und das in Bälde! Zumal nach Vorstellung der unter 30 Jährigen das Alter rein numerisch bereits jenseits der 55 Jahre beginnt. Da bleiben ihnen mal gerade so um die 25 Jahre…
Die Senioren machen den Eintritt ins Alter weniger von Jahreszahlen abhängig, als variabel von gefühlten gesundheitlichen und sozialen Faktoren. Sie schieben die numerische Schwelle um so höher, desto älter sie selbst sind: Zwischen 66 bis 74 Jahren ereilt sie die Selbsterkenntnis, alt geworden zu sein. Erschreckend fand ich, dass 71% der Senioren meinten, altersbedingt benachteiligt worden zu sein; am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben. Im Kern fühlen sie sich zunehmend unsichtbar, nicht hinreichend wahrgenommen von den jüngeren Landsleuten. Sie berichten, dass Jüngere sie nicht als Gesprächspartner für voll nehmen, ihre Leistungen nicht anerkennen oder ihre Bedürfnisse nicht respektieren. In Geschäften und Lokalen erleben sie Situationen, in denen sie sich durchsichtig vorkommen, so als gingen die Blicke des Verkaufspersonals ungehindert durch sie durch. Das sind bittere Eindrücke vom Verhältnis der Generationen; negativer als ich Entsprechendes aus anderen empirischen Studien  kenne.
Vielleicht wird es aber in Zukunft besser: 28% der  heutigen Australier sind selbst eingewandert.  Ost- und Südostasiaten aus China, Indien, Philippinen und Vietnam gehören derzeitig zu den am schnellsten anwachsenden Immigrantengruppen. Jüngere Menschen der arbeitsfähigen Jahrgänge aus Kulturen, die dem Alter mit besonderem Respekt begegnen. Mit ihnen dürfen die Alten zwischen Perth, Melbourne und Cairns auf harmonischere Beziehungen zu den jüngeren Neuaustraliern hoffen. Eine schöne Facette der Einwanderung, finde ich;  nicht nur für Australien.

Ihr Global Oldie

* “Fact or Fiction? Stereotypes of Older Australians”, published by Australian Human Right Commission, 2013 : humanrights.gov.au