vignette2012 Hello all, ein Gericht in Ohio, USA hatte 2007 in einem Musterprozess entschieden, dass an der staatlichen „Solon – Schule“ weihnachtlicher Dekor auch unter Berücksichtigung der strikten Trennung von Kirche und Staat erlaubt sei „weil nach allgemeiner Praxis Weihnachten ein säkulares Fest“ sei. Auch Abbilder des Weihnachtsmannes alías Santa Claus durften bleiben.
Genauer betrachtet sind sowieso die meisten Weihnachtszutaten außerchristlichen Ursprungs. „wihenaht“ wurde auf deutschem Boden erst ab dem 8. Jahrhundert allmählich Brauch. Bis zu 500 Jahre hatten sich die Hiesigen Zeit gelassen, nach dem das 2. Konzil in Konstantinopel (zur Erinnerung, im heutigen Istanbul) 381 n.Ch. den 25. Dezember als Weihnachtsfest zum Dogma erhoben hatte.
Jenes wiederum hatte das altrömische Fest der „unbesiegbaren Sonne“ (Sol Invictus) am 25. Dezember schlichtweg gekapert. Was uns zum Kern, dem Lichterfest bringt. Nach dem alten julianischen Kalender war der 25. Dezember die Wintersonnenwende, die in vielen Kulturen von Ägypten (dort am 6.Januar nach deren Kalender) bis Mesopotamien ähnlich gefeiert wurde: Immergrüner Pflanzenschmuck zur Erinnerung an die schlafende Natur; Lichter zur Ehre der wieder erstarkenden Sonne; Familienfeiern und Geschenke. Das Sol Invictus Fest der Römer wiederum hatte die recht ausgelassenen Saturnadia (Stichwort: Fruchtbarkeit), jene wiederum das noch ältere Mithrasfest zur Wiedergeburt der Sonne aus Vorderasien beerbt – stets mit ähnlichen Elementen: Licht, religiöse und profane Rituale, Musik, Tanz und Gelage, um sich auf das neu aufkeimende Jahr einzustimmen.
Jede Kultur und Generation feiert es mit ihren eigenen Requisiten und Nuancen. Es freuen sich vom Nordkap bis Kapstadt Kinder auf Geschenke und Süßigkeiten; die Älteren von Alaska bis Feuerland auf Familienzusammenkunft und Erinnerungen im trauten Kreis. In Ghana mit geschmückten Häusern, in Sierra Leone mit Maskeraden, in Mexiko mit gefüllten Pinyatas, in Nürnberg mit Kindl und Glühwein, in USA mit überdimensional gefüllten Socken am Kamin, in Spanien mit großen Krippen, in Kanada mit Rudolf vor dem Rentierschlitten, in Japan mit wunderbar bunt verpackten Geschenken an die Lieben; in Brasilien unter Tropensonne am Strand und in Finnland unterm Polarlicht vor der Sauna.
Gegenwärtig sind korpulente ältere Herren mit weißem Bart in roten Winterklamotten zur Weihnacht beliebt – vorausgesetzt sie sind freundlich zu Kindern und gütig ; ich finde das ausgesprochen intergenerationsorientiert und antistigmatisierend. Obendrein allemal besser als ausgemergelte, beige bekleidete Alte, die auf Kinder in der Strassenbahn schimpfen. Zu Weihnachten, scheints, kommen sich die Generationen näher: Ich liebe es, das Fest der Freude; seit Jahrtausenden weltweit begangen. Ein toller Anlass, die Vielfalt zu bestaunen, Toleranz zu zeigen und jedem seine Facon von Weihnachten zu gönnen.
Also, ich persönlich finde mit Santa Claus, selbst von Coca Cola’s Gnaden, klasse, auch wegen seines Buddha-Bauches. Nur eine Sorge plagt mich diesbezüglich: kommt demnächst die 30% Frauenquote als EU-Vorgabe für Nikoläuse?
Ihr Global Oldie