Hinterm Grabstein lauert ein Monster: Pokemon GO macht auch vor sarkastischen Witzchen keinen Halt ... Foto: Friedrich Stark/epd

Hinterm Grabstein lauert ein Monster: Pokemon GO macht auch vor sarkastischen Witzchen keinen Halt … Foto: Friedrich Stark/epd

Das angesagte Computerspiel Pokémon GO ist für alte Menschen das beste Beispiel für eine sinnvolle technische Herausforderung. Diese Meinung vertritt die amerikanische Psychologie-Professorin Sara J. Czaja. Und nicht nur das: Sie fordert sogar, dass es mehr solcher Technologien geben müsse, die es alte Menschen erleichtern, fit zu sein und mitmitzumachen bei dem, was die anderen tun.

„Wer keinen Zugang zu Technologie hat oder nicht in der Lage ist, sie zu nutzen, wird es extrem schwer haben, sich in der heutigen technologieorientierten Welt zurechtzufinden und alltägliche Herausforderungen zu bewältigen“, sagt Sara J. Czaja. Sie ist wissenschaftliche Direktorin des Center on Aging und Professorin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Leonard M. Miller School of Medicine der Universität von Miami. „Das fängt schon mit der WhatsApp-Nachricht an die Enkelin, der Suche nach Gesundheitsinfos und der Onlineüberweisung der nächsten Rechnung an.“

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) stellen sich hinter Czajas Forderung. Technologie müsse für alte und hochbetagte Menschen zugänglicher, nützlicher und nutzbarer werden. Damit sie möglichst lange ein unabhängiges Leben führen zu können, werde es für immer mehr ältere Menschen zur Notwendigkeit, die rasant voranschreitenden technischen Entwicklungen nicht zu verpassen, so Czaja. „Im CREATE-Center haben wir zum Beispiel einfach zu nutzende Technologiesysteme für Senioren entwickelt, die ihren Zugang zum Internet verbessert haben und es Senioren erleichtern, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben.“ Der Zugang zum Internet biete speziell für Menschen im ländlichen Raum oder mit Mobilitätseinschränkungen erhebliche zusätzliche Vorteile – von neuen Lernangeboten und Zugang zu Gesundheitsinformationen und -diensten über Bankgeschäfte bis hin zu Online-Bestellungen.

Leider zeigen aktuelle Untersuchungen – obwohl die Nutzung von Technologie bei älteren Menschen insgesamt zunimmt – dass es eine digitale Kluft gibt. Speziell die älteren Jahrgänge und Senioren mit einem geringen sozio-ökonomischen Status bleiben zurück.

Anfang September wird Professor Czaja auf dem größten deutschsprachigen Kongress für Altersmedizin und Gerontologie in Stuttgart erwartet. Hier will sie ihre Forschungsergebnisse aus den USA mit den deutschen Kollegen teilen. „Das ist extrem wichtig und verspricht neue Möglichkeiten, um die Lebensqualität für uns alle zu verbessern“, so die Institutsleiterin aus Miami. „Denn Technologie durchdringt alle Aspekte des Lebens – speziell Gesundheitswesen und Kommunikation. Der von uns entwickelte Nutzen-orientierte Designansatz für technische Systeme bietet das Potenzial, die Unabhängigkeit und Lebensqualität älterer Menschen enorm zu verbessern.“

Was ist dieses Pokémon GO eigentlich?
Pokémon Go wird im Online-Lexikon “Wikipedia” als “positionsbezogenes Spiel für Smartphones und Tabletcomputer” definiert. Es nutze eine Spielumgebung auf dem Prinzip der erweiterten Realität (Augmented Reality). Das Spiel ermittelt die Standortdaten des Spielers und positioniert ihn virtuell auf einer Landkarte. Das Spiel wird in der Regel im Freien gespielt und nutzt Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und auffällige Objekte der materiellen Welt zur Gestaltung einer virtuellen Spielwelt. Die Währung beim Pokémon Go sind sogenannte PokéMünzen, die gegen Premium-Gegenstände eingetauscht werden können.