Tante Kwong Ah Yi in Hong Kong ist zwar nicht ganz so alt, wie sie stets verschmitzt behauptet, aber offensichtlich inzwischen alt genug, um sich seit letztem Jahr nicht mehr allein versorgen zu können. Es wohnt noch eine neunzehnjährige Enkelin bei ihr, die aber studiert und geht auch sonst ihre eigenen Wege. Tante Ah Yi wollte nicht, dass unsere Schwägerin, ihre eigene Tochter sie versorgt, das wäre ihr peinlich; aber in eines der heillos überfüllten Altenheime Hong Kongs wollte sie erst recht nicht. Um Tante Ah Yi den Alltag zu Hause zu ermöglichen, ist vor ein paar Monaten Frau Lucia Flores, aus Metro Manila, Philippinen in das winzige Zimmerchen neben der Küche eingezogen. Lucia hat über eine professionelle Vermittleragentur in ihrer Heimat einen Zweijahresvertrag mit Familie Kwong abgeschlossen, mit dem sie als „live in domestic help“ („in der Familie mitlebende Haushaltshilfe“) nach Hong Kong kam. Lucia versorgt nun sechs Tage die Woche Tante Ah Yi fast rund um die Uhr. Lucia ist Ende Zwanzig, hatte Grundschullehrerin werden wollen, doch das Geld hatte nicht bis zum Studiumende gereicht. Sie spricht Englisch und Tagalog, Tante Ah Yi hingegen nur Kantonesisch und sehr wenig – das ist schon übertrieben – Englisch. Anfangs war das sehr schwierig, erzählt Ah Yi. Lucia kaufte die falschen Zutaten am Markt, stellte die Klimaanlage zu warm, hört „seltsame“ Musik beim Bügeln und kann immer noch nicht „richtig“ (d.h. chinesisch) Kochen. Aber sie sei sehr aufmerksam und hilfsbereit. Doch, dieses Betreuungskonzept sei schon ganz brauchbar.

Lucia Flores ist eine von derzeit ca. 280.000 ausländischen Haushaltshilfen, die mit solchen zweijährigen Zeitverträgen im Stadtstaat Hong Kong die hochtourigen Mittelstandsfamilien und deren Haushalte am Laufen halten. Die ausländischen Haushaltshilfen machen inzwischen 3% der Wohnbevölkerung aus. Ursprünglich kamen fast alle von den Philippinen, heute jedoch schon über die Hälfte aus Indonesien. Das Rollenbild jener ausländischen Ah Ma’s wandelt sich von der Haushaltshilfe hin zur Betreuerin. So werden heute philippinische Ah Ma’s bevorzugt als Kindermädchen eingestellt, da sie oft höhere Schulbildung mitbringen und mit den chinesischen Kindern Englisch üben können. Die indonesischen Kräfte werden zunehmend für die Altenpflege zu Hause bevorzugt und erhalten vor der Entsendung eine entsprechende, wenn auch eher rudimentäre Einweisung.
Auch unsere Tante Ah Yi möchte den nächsten Vertrag lieber mit einer indonesischen Kraft abschließen: „Die können zwar meist kein Englisch, lernen aber dafür schneller Kantonesisch, erzählen meine Freundinnen. Die jungen Frauen kommen meist vom Land, wissen wie man zupackt und zeigen uns Alten mehr Respekt als die westlich orientierten Philippinas. Als gute Muslima lassen die Indonesieserinnen auch Schweinefleisch weg, das ich in meinem Alter sowieso nicht soviel essen sollte“.

Asiatische Völkerverständigung zu Hause im sehr vorgerückten Alter?
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