Beim Zappen bin ich auf die bereits vor sechs Jahren gedrehte Serie über die 50er Jahre gestoßen. Die hat immer noch einen hohen Informationsgehalt für alle, die damals noch in den Windeln steckten und einen hohen Erinnerungswert für alle, die zu jener Zeit jung waren. Ich erinnere mich jedenfalls daran, wie meine Eltern gerne am Sonntag Nachmittag zum Schaufensterbummel aufbrachen. Wer macht so etwas heute noch?
Ich denke, durch die verlängerten Ladenöffnungszeiten haben sich die Menschen daran gewöhnt, am Samstag Nachmittag durch die Fußgängerzonen und Shopping Malls zu schlendern und gleich in die Geschäfte hinein zu gehen. Die Verlockungen der Mode und der Kosumgesellschaft, die vor 60 Jahren für viele noch unerschwinglich waren und damit Anlass zum Sparen, sind heute durch Ratenzahlungen und andere Kreditmöglichkeiten in erreichbare Nähge gerückt. Kaufen ist so leicht wie nie. Die Verschudlung der Privathaushalte, früher eine unschickliche Sache, die höchsten für große Anschaffungen wie Hauskauf oder Waschmaschine in Frage kam, ist für die meisten zur Normalität geworden.
Daran muss ich immer wieder denken, wenn ich jetzt Herrn Ackermann und andere Finanzgrößen über die nächste Wirtschaftskrise jammern höre. Von einem Systemwechsel weg von der Schuldenpolitik hin zur einstigen Regel, dass man nicht mehr ausgeben darf als man einnimmt, ist nicht in Sicht. Weder beim Privathaushalt noch bei einer der anderen Institutionen.
Da ist so eine Erinnerung an die Bescheidenheit der frühen Jahre umso wertvoller. Oder werde ich langsam alt, weil ich mir ein bisschen etwas von der Solidität von damals zurückwünsche?