Manchmal muss man sich ältere Menschen wie Analphabeten vorstellen. Sie tappen durch eine Welt, deren Zeichen sie manchmal nicht mehr verstehen. Diesen Eindruck erhielt ich kürzlich, als meine Mutter, die Anfang 80 ist, einen Brief von einer Behörde bekam. Darin wurde ihr vorgeschlagen, die in Anspruch genommene Dienstleistung doch per Internet-Banking zu bezahlen. Ausführlich waren die ganzen Bedingungen aufgeführt, die Codes und Pins und alles, was der Mensch dafür benötigt. Aber mit keinem Wort wurde erwähnt, wie ein Bürger, der sich nicht im Internet auskennt, den Betrag bezahlen soll.
Folglich ließ meine Mutter das Schreiben zu Hause liegen, als sie ins Rathaus ging, um das beantragte Schriftstück abzuholen. Das hätte beinahe dazu geführt, dass sie unverrichteter Dinge hätte gehen und noch einmal mit dem für sie unverständlichen und unnützen Schreiben vorsprechen müssen. Doch eine nette städtische Bedienstete ersparte ihr diesen Gang, ließ das besagte Schrfitstück aus dem Computer, meine Mutter unterschrieb und damit war es gut. Das Geld konnte auch an Ort und Stelle bezahlt werden.
Ich denke, von Mensch zu Mensch funktioniert die Kommunikation auch unter den Generationen. Doch sollten sich Behörden Gedanken darüber machen, wie sie auf den demografischen Wandel eingestellt sind. Ob sie wirklich nach dem häufig kritisierten Bürokratendeutsch nun eine weitere Fremdsprache für viele ältere Bürger einführen wollen, nämlich die der elektronischen Welt. Ich empfinde das nämlich als eine Diskriminerung der Alten. Das macht den älteren Menschen Angst. Oder bin ich überempfindlich?