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Das Motto heißt: Kultur ein Leben lang

Setzen sich mit viel Herzblut für die kulturelle Teilhabe von Seniorinnen und Senioren ein: Dorothea Geuthner (links) und Jutta Rossmann.

Im Arbeitskreis Kultur des Stadtseniorenrats Nürnberg wird mit viel Herzblut und Netzwerkarbeit ehrenamtlich daran gearbeitet, das Thema »kulturelle Teilhabe« voranzutreiben. Am Weltseniorentag am 1. Oktober 2026 (aber nicht nur dann) wurde davon in Nürnberg einiges sichtbar sein.

Da war es Jahrzehnte lang völlig selbstverständlich, ins Theater und ins Kino zu gehen, Museen zu besuchen und Konzerten beizuwohnen. Doch was eben noch fester Teil des Alltags war, sieht im Alter plötzlich anders aus – weil im Leben vieles schwieriger wird. Das Interesse ist nach wie vor da, doch die Wege erscheinen weiter und werden mühsamer, spätestens bei Einbruch der Dunkelheit will man wieder zu Hause sein. Alles fühlt sich unsicherer an, weil man selbst nicht mehr so sicher ist und weil sich alles um einen herum so sehr verändert hat. Und überhaupt: an Karten kommen. Die Vorverkaufsstelle, in der man immer seine Eintrittskarten gekauft hat, hat schon lange geschlossen; doch wo und wie kommt man im Internet an Tickets? Kann man sich diese überhaupt noch leisten? Und mitkommen mag auch keiner – vielleicht, weil keiner mehr da ist … So bleibt man schließlich »einfach daheim« und die Kultur, dieser Teil des Lebens, der so lange so selbstverständlich war, verabschiedet sich leise durch die Hintertür.

Hürden für Ältere abbauen

Wie (über-)lebenswichtig kulturelle Teilhabe ist, daraus machen Dorothea Geuthner und Jutta Rossmann keinen Hehl. »Kultur – ein Leben lang« heißt ihre Ansage. Der Kulturbegriff ist bei den beiden Frauen, die im Oktober 2023 in den Stadtseniorenrat der Stadt Nürnberg gewählt wurden und dort als energische Doppelspitze den »Arbeitskreis Kultur« (AK) leiten, betont weit gefasst und vor allem niederschwellig gedacht und angesetzt. Wenn es, wie kürzlich in Großgründlach passiert, nur ein Stammtisch ist, der neu eingerichtet wird und an dem Seniorinnen und Senioren nun wieder begeistert Schafkopf spielen, dann passt das perfekt in ihre Mission. »Hier in der Stadt gibt es ganz viel an unterschiedlichsten Angeboten. Die Seniorennetzwerke in Nürnberg machen gute Arbeit, und auch um die Hochkultur ist es gut bestellt – das ist nicht das Thema.«

Die Hürden für viele Senioren sind laut Geuthner und Rossmann andere: Einsamkeit, finanzielle Probleme, mangelnde Mobilität. Es geht auch um schnell erreichbare Toi­letten, einen Hocker zum Ausleihen oder ganz generell um Barrierefreiheit. Und hinterher noch gemütlich auf einen Kaffee zusammensitzen – auch das ist längst nicht mehr selbstverständlich, weil sich das Gastroangebot massiv verändert hat.

Die Uhrzeit ist wichtig

Damit Menschen älteren Semesters auch mitbekommen, was kulturell in der Stadt geboten ist, sollten Veranstaltungen nicht nur im Internet zu finden sein, sondern auch der klassische Flyer (Wurfzettel) gedruckt werden. Für Senioren sei bei Veranstaltungen ein weiteres Detail wichtig: Es ist kontraproduktiv, die Zielgruppe – wie es leider immer wieder passiere – mit Kindern zusammenzustecken. Außerdem: Die Veranstaltung sollte spätestens um 18 Uhr vorbei sein, finden die Leiterinnen des AK Kultur.

Ein wichtiges Element im Kampf um mehr kulturelle Teilhabe im Alter ist die Senioren-KulturKarte der Stadt Nürnberg. Mit der erhalten kulturinteressierte Menschen ab 63 Jahren für 20 Euro (bei Vorlage eines Nürnberg-Passes sind es nur 10 Euro) ein Jahr lang kostenlosen Eintritt in 14 Nürnberger Museen – Tendenz steigend. Auf Drängen des AK Kultur ist die Senioren-KulturKarte inzwischen direkt an den Kassen der städtischen Museen zu erwerben. Jutta Rossmann und Dorothea Geuthner sind gerade dabei, die nichtstädtischen Museen wie Zukunfts-, Bibel- oder Neues Museum abzuklappern und dort vor Ort im persönlichen Gespräch Überzeugungsarbeit zu leisten: für ermäßigte Eintrittspreise und für spezielle zielgruppenorientierte Angebote.

Ein anderer Ansatz, der in England entwickelt wurde, heißt »Kultur auf Rezept«. In der Tat geht man hier zum Arzt und bekommt kulturelle Aktivitäten als Ergänzung zur Schulmedizin verschrieben – Theater, Malen, Musik, Museumsbesuche oder Kreativkurse etwa gegen leichte Depressionen. Das »Social Prescribing« (die soziale Verschreibung) zielt darauf ab, Einsamkeit und sozialer Isolation entgegenzuwirken, indem bewusst nicht nur mit klassischen Medikamenten gearbeitet wird. 

Netzwerk wird gepflegt

Die zwei Damen vom AK Kultur des Stadtseniorenrats sind charmant, haben jedoch keine Angst vor Reibung – und streiten mit Nachdruck für ihre Ziele. Am Tisch wird viel gelacht, die Chemie zwischen den beiden Ehrenamtlichen stimmt sichtlich. Und: Beide Frauen verfügen über vorzügliche Kontakte in die Stadt und in die Region hinein – das Ergebnis gepflegter Netzwerke. Dorothea Geuthner ist Sozialarbeiterin und emeritierte Professorin an der Evangelischen Hochschule, Jutta Rossmann seit Jahrzehnten in der evangelischen Landeskirche aktiv. Ihr Engagement ist inspirierend und steckt an. »Wir reden hier über die anderen, aber wir sind ja selbst alt«, sagt Dorothea Geuthner. »Ich bin 80, aber ich habe genügend Connections – zum Glück!«

Vor allem haben Dorothea Geuthner und Jutta Rossmann aber auch Ideen – und Ziele. Eines der ersten nach ihrer Berufung in den Stadtseniorenrat war, den Weltseniorentag in die Stadt zu bringen. Den Aktionstag kennt man aus den USA, dort wird der National Senior Citizens Day (»Der nationale Tag der Senioren«) seit 1988 gefeiert. Die Vereinten Nationen (UNO) haben im Jahr 1990 den »Weltseniorentag« ins Leben gerufen, um die Leistungen der Menschen im Alter weltweit zu würdigen. In Nürnberg wird er nun seit drei Jahren begangen – auf Initiative des AK Kultur und mit stetig wachsendem Programm und steigender Resonanz. Dabei geht es dem Stadtseniorenrat darum, Leute zusammenzubringen und Kultur vor Ort zu stärken. Klassische Netzwerkarbeit, die das Duo viele Stunden jede Woche kostet, die aber freilich auch Spaß macht – und trotzdem ein Vollzeitjob ist, nur eben ehrenamtlich. »Auch in dieser Woche war ich wieder jeden Tag dafür unterwegs«, sagt Jutta Rossmann und weiß: »Überall, wo wir hingehen, müssen wir für unsere Arbeit werben, um den Stadtseniorenrat bekannter und sichtbarer zu machen!«

Kulturpaten sind willkommen

Wenn Jutta Rossmann sich etwas wünschen dürfte, dann, dass es noch mehr Kulturpaten gibt, die alte Menschen zu kulturellen Events begleiten. Dorothea Geuthner schweben Vortragsreihen für Senioren vor – gerne auch richtig anspruchsvoll und kritisch, etwa zu kontroversen Themen wie »Raubkunst« oder »Assistierter Suizid«. »Es ist aber nicht unsere Aufgabe, selbst so etwas zu veranstalten.« Konkret in die Rolle des Veranstalters schlüpft der AK Kultur des Stadtseniorenrats nur für zwei Ausnahmen: Im fliegenden Wechsel mit dem Seniorenamt der Stadt Nürnberg organisiert man alle zwei Jahre den besagten Weltseniorentag sowie die beliebte Reihe »Treffpunkt Theater plus«. Diese musste zuletzt pausieren, ist aber ab Ende September zurück – an einem neuen Ort mit frischem Programm. 

Der Weltseniorentag wurde in Nürnberg am 1. Oktober 2026 zum dritten Mal begangen – mit einem bunten Programm an unterschiedlichsten Orten in Nürnberg. Es gab Musik, Ausstellungen, Vorträge, Begegnungen, Führungen in Museen, Lesungen sowie Informationsveranstaltungen zu Themen wie Gesundheit, Mobilität und Wohnen im Alter. Ein Rikscha-Fahrdienst sorgte dafür, dass man von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort kommt.

Text: Stefan Gnad
Foto: Claus Felix

Information

Der »Treffpunkt Theater plus« startet ab September neu im Kulturtreff »Marie15« in der Marienstraße 15 in Nürnberg. Am Dienstag, 27. Oktober 2026, stellt sich Richard Siegal, der neue Ballettdirektor am Staatstheater Nürnberg, vor. Am Dienstag, 24. November 2026, schaut Ulrike Mendlik vom Burgtheater Nürnberg vorbei. Einlass ab 14 Uhr, das Podiumsgespräch beginnt um 14.30 Uhr. Infos und Anmeldung unter der Tel. 0911/537010 (Dienstag bis Donnerstag 12 bis 15 Uhr, sonst Anrufbeantworter) oder per E-Mail an info@ak60plus.de

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