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Auf Karl freuen sich alle Kinder

Der frühere Rechtsanwalt Karl Adelhardt ist für Mädchen und Jungen manchmal sogar ein Glücksbringer.

Wenn Karl Adelhardt auf den Gängen der Mönauschule in Erlangen-Büchenbach unterwegs ist, umschwärmen ihn die Kinder und fragen: »Kommst du heute zu uns, Karl?« Er kennt alle ihre Namen und sie kennen seinen, denn er ist schon seit über zehn Jahren hier – vier Tage die Woche. »Sie dürfen mich einfach Karl nennen, das schafft Nähe und Vertrauen«, sagt er. Der 81-Jährige ist keine Lehrkraft, sondern einer von über 20 Dozentinnen und Dozenten der Volkshochschule (VHS) Erlangen, die hier und an weiteren Schulen in der Stadt im Modellprojekt »Optimierte Lernförderung« aktiv sind. Rund ein Drittel der Schüler an der Mönauschule erhält diese gezielte Lernförderung, da viele von ihnen aufgrund von Sprachbarrieren und unterschiedlichen Lernvoraussetzungen im häuslichen Umfeld zusätzliche Hilfe benötigen.

Geduldig erklärt er die Aufgabe

In der letzten Stunde an diesem Montag ist er in der Klasse 1a unterwegs und unterstützt als Lernhelfer, entweder einzelne Kinder oder Kleingruppen. Je nach Bedarf ist er im Klassenraum oder außerhalb tätig. Für die Arbeit außerhalb der Klassenzimmer hat die Schule kleine Lerninseln im Flur geschaffen. Dort kann Karl Adelhardt in Ruhe mit den Kindern arbeiten.

Heute haben zwei Jungen nicht alle Matheaufgaben erledigt. Die Lehrerin klebt Post-its an die entsprechenden Seiten, damit Karl Adelhardt weiß, was zu tun ist. In der 1a lernen die Schülerinnen und Schüler gerade subtrahieren und müssen nicht nur das Ergebnis aufschreiben, sondern auch die entsprechende Anzahl an Kreisen abstreichen. Geduldig erklärt Karl Adelhardt die Aufgabe, lässt die Kinder alleine rechnen und überprüft alles, bevor er die Schüler zurück in die Klasse schickt. »Ich helfe den Lehrkräften und den Kindern gleichermaßen«, sagt er. Vor seiner Rente war er aber kein Lehrer, sondern Rechtsanwalt. Er lebte mit seiner Familie viele Jahre im Ausland, unter anderem in Peking, weil seine Frau als Auslandskorrespondentin bei der ARD von dort berichtete. Damals machte er mit Schülerinnen und Schülern an der Deutschen Schule Sport und hat auch beim TV 1848 in Erlangen mit Kindern und Jugendlichen Fußball und Handball trainiert.

Lesen ist das A und O

Als ihm eine Bekannte nach der Rückkehr von der Erlanger Schulkooperation erzählt hat, hat er sich beworben und ist seitdem mit dabei. Nachdem die Matheaufgaben erledigt sind, geht es ans Lesen. Das ist Karl Adelhardts Spezialität. »Lesen ist das A und O, weil es in allen Fächern hilft«, meint er. »Vor allem für Kinder, die kein Deutsch können, ist es eminent wichtig, dass wir mit ihnen lesen üben.« Heute ist der Text »Sommerfest in Schweden« dran – die Kinder lernen gerade Wörter mit »SCH«. Nachdem sie die Geschichte gelesen haben, fragt der Lernhelfer nach, worum es in dem Text geht. Das Verstehen ist oft wichtiger als das reine Vorlesen. »Wie heißen die beiden Kinder in der Geschichte?« »Was ist Schweden?« »Wer schläft unter dem Tisch?« Viele der Kinder verstehen das Gelesene nicht richtig, Karl Adelhardt bleibt geduldig und motiviert die Kinder. »Üben ist wichtig, auch zuhause«, sagt er einem Schüler, der sich besonders schwer tut. Dass die Unterschiede zwischen den Kindern groß sind, merkt er oft. »Ich weiß gar nicht, wie Lehrer das ohne uns Lernhelfer leisten könnten.« Jedes Schuljahr bekommen er und die anderen Unterstützungskräfte einen Stundenplan, damit sie wissen, wann sie in welcher Klasse eingesetzt werden. Sie stehen in engem Austausch mit den Pädagogen und sind quasi Teil des Kollegiums. Sie geben ihnen auch Rückmeldung, wie die Kinder sich entwickeln.

Manchmal ist er sogar ein kleiner Glücksbringer

Weil Karl Adelhardt so lange dabei ist, begleitet er die Jungen und Mädchen oft über ihre komplette Grundschulzeit. Das hilft, weil er weiß, wo Unterstützung gebraucht wird, und gleichzeitig ist es für die Schüler eine gewisse Kontinuität. Was Karl Adelhardt hier tagtäglich erlebt, hat einen Namen: das »Erlanger Modell«. Dass die VHS der Träger für das Projekt ist, ist deutschlandweit einzigartig. Es soll Lerndefizite abbauen, soziale Kompetenzen stärken und die Bildungschancen von Kindern aus einkommensschwachen Familien verbessern. Finanziert wird es durch staatliche Fördermittel aus dem Programm »Bildung und Teilhabe«. Viele der Helfer sind angehende Lehrkräfte, andere Rentner. Diese Mischung findet auch Schulleiterin Ursula Blümcke sehr gut: »Es ist immer ein Vorteil, wenn verschiedene Altersstufen zusammenkommen.« »In der Schule zu arbeiten, gibt mir sehr viel. Nur zuhause zu sitzen und nichts zu tun, wäre mir zu wenig«, sagt Karl Adelhardt und lacht. Für viele ist er mehr als eine Lernhilfe, manchmal sogar ein kleiner Glücksbringer. Und er genießt es, dass er eine Aufgabe hat, »die sehr sinnvoll ist«.

Text: Lea Kiehlmeier
Foto: Claus Felix

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