Beliebt bei Nürnberger und Fürther Senioren: Das 9-Uhr-Jahres-Abo.  Foto: Wolfgang Gillitzer

Die Senioren lassen nicht locker. Vor allem auf dem Land fühlen sich viele ältere Menschen vom öffentlichen Nahverkehr benachteiligt. Stellvertretend dafür steht der Seniorenrat Langenzenn im Landkreis Fürth mit seinem Vorsitzenden Hans Klinner, der schon 2017 vom Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg (VGN) eine bessere, auf die ältere Generation ausgerichtete Tarifstruktur gefordert hatte. Bisher ohne Erfolg (wir berichteten).

Inzwischen hat sich die bayerische Landesseniorenvertretung der Sache angenommen. Deren Bezirk Mittelfranken verabschiedete Ende Januar ein Positionspapier, das die Forderungen aus Langenzenn übernimmt. Allerdings dürfte auch dieser Vorstoß beim VGN auf wenig Verständnis stoßen. Ein Sprecher betonte unter Hinweis auf die gegenwärtige Preisstruktur und neue, zusätzlich vergünstigte Tarife, von einer Benachteiligung des ländlichen Raumes zu sprechen, sei nicht gerechtfertigt.

Welches Ticket ist richtig?

Im Positionspapier der Landesseniorenvertretung heißt es: »Für Senioren und insbesondere alleinstehende Senioren ist die gesellschaftliche Teilhabe ein sehr wichtiges Gut. Dies fällt teilweise aufgrund der eingeschränkten Mobilität immer schwerer. Um Besorgungen und Kontakte noch aufrecht erhalten zu können, ist ein attraktiver ÖPNV mit günstigen Preisen Voraussetzung.« Genau das biete der VGN nicht. Vor allem im Vergleich zu anderen Regionen (etwa München, Stuttgart, Berlin oder Hannover) gebe es keine attraktiven Seniorentickets.

Zwar werde das Jahres-Abo mit maximal 226 Euro nicht viel kosten, doch Senioren müssten meist nicht so oft in die Stadt, dass sich die Anschaffung lohne. Das gelte in ähnlicher Weise für die Mobicard für 31 Tage, noch dazu, da sie in der günstigeren Version wochentags erst ab 9 Uhr gelte. Nach Darstellung der Seniorenvertretung können damit »Vormittagstermine in den entfernten größeren Städten kaum wahrgenommen werden«. Die Mobicard sei mit rund 105 Euro gegenüber rund 46 Euro in München relativ teuer.

VGN: Senioren haben nicht das höchste Armutsrisiko

Wäre also ein Tagesticket besser? Im Prinzip ja, »aber für die ländliche Bevölkerung gibt es im VGN gar kein Tagesticket«, kritisiert das Positionspapier, »sondern nur ein Tagesticket plus für zwei Personen. Ländliche Einzelfahrer sind damit doppelt benachteiligt.« Und spezielle Seniorentickets? Beim VGN betont Sprecher Manfred Rupp, sei es Prinzip, Fahrkarten für alle Fahrgäste anzubieten. »Dem widerspricht es, vergünstigte Fahrkarten nur für eine ausgewählte Bevölkerungsgruppe vorzuhalten.« Es gebe Senioren mit geringen Renten, aber auch Arbeitslose und Geringverdiener. Senioren gehörten »nicht zur Gruppe mit dem höchsten Armutsrisiko«.

In der Frage der Tarifstruktur wies der VGN darauf hin, dass im Lauf des Jahres das 9-Uhr-Jahres-Abo (das es bislang nur in Nürnberg/Fürth und in Erlangen gibt) im Gesamtraum gültig sein wird. Der Preis werde bei maximal 226 Euro für den Gesamtraum liegen, für die Preisstufe 4 bei knapp 100 Euro. Bei diesem Abo werde der Rabatt auf den normalen Abo-Preis immerhin zwischen 38 und 50 Prozent betragen.

Rupp nannte weitere Beispiele: Die durchschnittliche Preisstufe für Fahrten auf dem Land sei die Preisstufe 4. Eine 9-Uhr Mobicard für Nürnberg koste 73,40 Euro und 77,10 Euro in der Preisstufe 4. Knapp 80 Euro seien nicht wenig Geld, aber die Mobicard werde »auch häufig von den Käufern genutzt, zusätzlich auch durch die Mitnahme weiterer Personen und die Übertragbarkeit«. Zur Frage der Gültigkeit ab 9 Uhr betonte der VGN, seine Ticketangebote würden »bewusst für die Zeit nach der Verkehrsspitze angeboten. Denn in der Hauptverkehrszeit sind die Kapazitäten ausgereizt.«

Lebenspraktisches Angebot

Beim Seniorenamt Erlangen hat man dafür Verständnis. Die Forderung nach einer Aufhebung der 9-Uhr-Grenze sei, sagt Leiterin Andrea Kaiser, »schon so alt wie die Mobicard selbst«. Vor 9 Uhr seien die Busse wirklich voll, und da sei es von den Verkehrsbetrieben durchaus legitim zu sagen, wenn schon günstige Tickets angeboten würden, dann müsse die Nutzung  entzerrt werden. »Stellen Sie sich vor, da sind dann auch noch Senioren mit Rollator mit drin«, gibt Kaiser zu bedenken.

Als  Leiterin des Seniorenamts einer Großstadt bezeichnet sie die Gültigkeit von Tickets erst ab 9 Uhr als »durchaus lebenspraktisch«. Die meisten Angebote für Senioren wie Gymnastik, Gedächtnistraining oder gesellige Veranstaltungen fingen frühestens um 10 Uhr an. Wenn allerdings besondere Ereignisse wie Einschreibungen für Seniorenfahrten schon um 8 Uhr angesetzt werden müssten, »dann haben wir bisher noch nie Beschwerden gehört, dass die Leute im ÖPNV Probleme haben, rechtzeitig zu kommen«, sagt Andrea Kaiser, »höchstens darüber, dass sie so bald aufstehen mussten«.

Text: Herbert Fuehr
Foto: Wolfgang Gillitzer

Unser Tipp: Kommen Sie auf die Messe inviva im Nürnberger Messezentrum und diskutieren Sie mit: Auf der sechs+sechzig-Bühne geht es am Thementag Mobilität (1.3.2020) um 1.3., 15 Uhr um das Thema »Ist ein Seniorenticket vor 9 Uhr sinnvoll«.