Nürnbergs Senioren fühlen sich in der Mehrzahl wohl und nehmen aktiv am Stadtleben teil. Für die sogenannten Babyboomer, die Generation, die jetzt aufs Rentenalter zugeht, will das städtische Seniorenamt aufgrund anderer Ansprüche neue Angebote konzipieren. Foto: Christian Northe/Pixabay

Die positive Nachricht zuerst: Die Mehrzahl der älteren Menschen in Nürnberg fühlt sich gut. Das ist das interessante Ergebnis einer breit angelegten, repräsentativen Umfrage des Nürnberger Seniorenamts, das im Februar erste Ergebnisse daraus veröffentlichte.

Die beachtliche Rücklaufquote betrug rund 49 Prozent bei 10.000 befragten Haushalten in der Stadt. »Für die künftige Versorgung der Nürnberger jenseits der 60 werden die Rückmeldungen eine große Bedeutung haben«, sagt Dieter Rosner. Der Chef des städtischen Seniorenamts freut sich, dass die Mehrzahl der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten aktiv am Leben teilgenommen hat. Sie nutzte die kulturellen Angebote wie Oper, Theater und Konzert, besuchte in großer Zahl Museen und den Tiergarten. Sie ging gleichermaßen gerne ins Kino und in die Kirche. Andere Bildungs- und Freizeiteinrichtungen wie Bildungszentrum und Kulturläden wurden ebenfalls aufgesucht, wenn auch weniger häufig.

Wo vereinsamen ältere Menschen besonders?

Rosner hat dennoch die zehn bis 15 Prozent unter den Älteren im Blick, die nicht dazugehören und abgekoppelt sind. Diese Gruppe »wird durch bisherige Angebote nicht erreicht«, sagt der Amtsleiter. Es sei nicht das drängendste Problem, »aber wir dürfen es nicht auf die leichte Schulter nehmen«. Eine intensivere Auswertung des Datenmaterials wird zeigen, in welchen Stadtteilen die Menschen stärker vereinsamen als in anderen.

Für die Stadt bestehe die Herausforderung darin, neue, niedrigschwellige und kostenfreie Programme zu entwickeln. Rosner denkt beispielsweise eher an »Senior auf Rädern als an Essen auf Rädern«. Denn es gehe stärker darum, die Menschen aus ihrer Wohnung zu holen und somit Kontakte zu ermöglichen.  Was die materielle Seite anbelangt, ist das Ergebnis durchaus erfreulich. 63 Prozent haben angegeben, dass es ihnen finanziell gut bis sehr gut gehe. Lediglich fünf Prozent sagen, dass sie sich stark einschränken müssen. Unter dem Motto »Dabeisein kann ich mir leisten« werden die Ergebnisse der Befragung dahingehend nun überprüft, ob in bestimmten Stadtteilen die Armutsquote besonders hoch ist.

Neue Angebote sollen für Babyboomer entwickelt werden

Bereits im Blick haben die städtischen Altersexperten, dass bald eine neue Generation von Ruheständlern auf sie zukommt. Die geburtenstarken Jahrgänge ab 1955, gerne als Babyboomer bezeichnet, haben andere Ansprüche an die Öffnungszeiten der Treffpunkte und an das Unterhaltungsangebot.

Ob sie sich noch in Altenclubs organisieren, darf zumindest bezweifelt werden. Was in dieser Bevölkerungsgruppe gefragt ist, welche Bedürfnisse sie hat, darüber werden die gesammelten Daten ebenfalls Aufschluss geben.

Auf die Erkenntnisse aus der Auswertung möchte Dieter Rosner frühzeitig reagieren. »Wir stellen unsere Angebotsstrukturen regelmäßig auf den Prüfstand, dafür sind die Umfrageergebnisse sehr hilfreich«, erklärt er. Dabei soll das Bewährte bleiben und Platz für neue Entwicklungen geschaffen werden. Die Selbstwahrnehmung der Befragten ist ein deutlicher Indikator für das veränderte Bild vom Alter. »Seniorenangebote« sind zunehmend etwas für die Zielgruppe 80 plus. Mit 60 Jahren fühlt sich eine deutliche Mehrheit noch viel zu jung dafür.

Text: Petra Nossek-Bock
Grafiken: gillitzer.net (Quelle: Senioren­befragung 2019, Stadt Nürnberg)