Hello All, solange noch die Spätsommersonne lacht, wage ich mich an ein düster faszinierendes Thema: Wie lange noch währt das Leben? Das chronologische Alter allein sagt nicht viel zur individuellen Überlebenswahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren. Einigen ist selbst nach dem 88. Geburtstag ein weiteres fröhliches Jahrzehnt vergönnt; anderen nicht einmal das Renteneintrittsalter. Was ergibt eine zuverlässigere Prognose, z.B. im Hinblick auf Angehörige? Die „Distance to Death“ – Forschung* untersucht rückblickend die Biographien von Verstorbenen. Dabei entdeckten die Forscher eine markante Schwelle in den letzten Lebensjahren, die sie „Transition Point“ nannten. Ab diesem „Zeitpunkt des Übergangs“ war es mit dem Wohlbefinden der Verstorbenen deutlich erkennbar bergab gegangen. Nicht so sehr die physischen Veränderungen, sondern der beobachtete Verlust an Lebensfreude erweist sich rückblickend als ein Vorbote des nahenden Endes. Damit ist nicht gesagt, dass Schwermut den Tod auslöst; sondern dass ein deutlicher Verlust an Vitalität, Interessiertheit und Glücksäußerungen als Indikatoren interpretierbar sind. Auch eine kausale Verknüpfung in beiden Richtungen klingt plausibel. Wem es, schmerzgeplagt, gesundheitlich schlecht geht, mag rasch Hoffnung und Freude verlieren. Umgekehrt können Lebenssinn und Optimismus die Abwehrkräfte stärken, das Durchhaltevermögen steigern und somit ein physisch beschädigtes Dasein deutlich verlängern. Auf das Selbstbild im Alter kommt es an. Wer sich vitaler fühlt, bleibt länger gesund und lebt mit gewisser Wahrscheinlichkeit länger.
Insofern sollte man sich nicht vorschnell über die Anti- Aging Angebote und deren fröhliche Nutzer mokieren. Sicher, das ist ein Riesengeschäft. Doch Fitness für Senioren kann die Stimmung aufhellen und über psychosomatische Wirkungen lebensverlängernd wirken. Vielleicht zum stillen Entsetzen manch lauernder Erben, die die Anti- Aging Aktivitäten der Altvorderen nur vordergründig albern finden.
Ihr Global Oldie
*Vergl. u.a. Gersthof et al. :„Decline in life satisfaction in old age; longitudinal evidence for links to distance from death” in Psychology and Aging, Vol. 23 (1) März 2008, S. 154ff