vignette Hello All, Amerikaner stehen im Ruf, die meisten Dinge pragmatisch und methodisch anzugehen. Mit Büchern wie „ Rollstuhlfahren für Dummies“ oder „Wie geht Rasenmähen richtig gemacht“. Selbstredend auch für die allmählich fällige „Bucket List.“ Also eine Liste mit Dingen, die man unbedingt noch machen sollte bevor… na, Sie wissen schon. Ich dachte bisher, dass ich so einen Wisch nicht brauche. Nicht der launige Film zum Thema*, sondern etwas Lektüre hat mich durchaus überzeugt, dass die Amis da vielleicht nicht falsch liegen.** Nicht nur ab Eintritt in dieses tückische „dritte Lebensalter“ macht so eine Liste Sinn. Dann ist es zwar nicht gänzlich zu spät, aber für manches ist der Zug halt wirklich abgefahren. Ziele im Beruf sind selbstverständlich; mich mit „Key Performance Indicators“ also Erfolgskriterien auseinander zusetzen war mir ebenso selbstverständlich. Ohne Ziel keine Richtung. Und es ist doch recht befriedigend, wenn ich etwas abhaken kann; besonders, wenn die Latte mal a bißerl höher lag. Mir jedoch private Ziele zu setzen, war ein ganz anderes Kapitel. Private Ziele, die man sich nicht nachlesbar – und revidierbar – aufgeschrieben hat, fristen in der Regel das Mauerblümchendasein von vagen Wünschen oder nebulösen Träumen. Sollten wir nicht gerade die ureigenen Ziele mit hell angeknipsten Scheinwerferlicht konsequenter ansteuern? Das muss ja nicht gleich wieder in Stress ausarten. Aber wenn ich mir so eine längere Liste von der Seele schreibe, stellen sich mir zwei Fragen: Warum will ich das eigentlich? Welches Bedürfnis meldet sich da zu Wort? Selbsterkenntnis satt, ganz ohne Psychoanalytiker und sehr diskret machbar. Und danach: was ist von alle dem vorrangig? Und Schwupps kriegt die Chose schon etwas Struktur. Der Bowron Lakes Route entlang paddeln, nochmal etwas völlig Neues lernen, jemanden eine Freude machen, usw. Auf meiner Liste ist der Trip zum Bowron Lakes ziemlich weit nach hinten gerutscht. Zugunsten mir wichtigere Ziele; in diesem Fall, SUP Paddeln zu lernen; den Triumpf über meine anfängliche Tollpatschigkeit zu genießen. Das oft zitierte “Carpe Diem” / nütz’ den Tag taugt nicht viel, solange man nicht weiß, wozu eigentlich die Zeit zu Nutzen sei. Besonders schmerzlich, wenn man sich gleichzeitig bewußt ist, dass man die meiste Lebenszeit schon aufgebraucht hat. Die Buckt List hilft, kleinere und größere Meilensteine zu ereichen und der bisweilen amorph wirkenden Zeit mehr Kontur zu geben. Werte Freunde: die spinnen nicht die Amis, wenn sie sich die Anleitung „Bucket List for Dummies“ herunterladen.
Ihr Global Oldie

*„Das Beste kommt zum Schluss“ / The Bucket List 2008, mit Jack Nicholson und Morgan Freeman
** z.B. Dustin Wiggin auf der Plattform familyshare