vignetteFargelHello All, es gehört zum Faszinosum des Alterns, dass sich bestimmte Körperpartien beharrlich neue Formen suchen. Ohren, Nase und Haut allgemein sichtbar; Füße tun es im Verborgenen, dafür umso spürbarer. Altersfüße rebellieren – stellvertretend? – gegen die Einengung unserer Standpunkte; fordern von Jahr zu Jahr mehr Raum und Recht auf Individualität. Wohl jenem Fuß, der in langjährig treuem und anpassungsfähigem Schuhwerk seines Weges gehen darf! Gibt es etwas Bequemeres als ein paar ausgelatschter Schuhe, die unserem Unterbau verständnisvoll vor den Unbill der Straße schützen, die Gelenke stützen und Zehen umschmeicheln? Für mich sind ausgetretene Schuhe auf Reisen ein Stück Heimat in der Ferne; in der Heimat sind sie mir eine Erinnerung an die weite Welt, die wir einmal gemeinsam beschritten hatten. Leider, leider jedoch gelten ausgetretene Schuhe weder als stylish noch als aktuell, was sich am despektierlichen “alten Stiefel”
ausdrückt. Wenn die Jüngeren nur wüßten, was sie an solchen alten Weggefährten haben!

Noch einmal zeigen die Kolumbianer großartiges Format im Umgang mit dem Alten: Unterhalb der Festung San Felipe de Barajas in Cartagena, Kolumbien, steht ein imposantes Bronzedenkmal: Ein Paar ausgetretener Stiefel, mehrere Meter groß. Gewidmet dem nationalen Dichter Luis „Tuerto“ López und seinem liebevollen Gedicht „an meine Heimatstadt“. Im Schlussreim beschreibt López Cartagenas Gassen seiner Jugend so heimelig anschmiegsam „wie ein paar alte Schuhe“**.

Das haut einen glatt aus den Latschen! Gibt es, liebe Freunde, ein schöneres Kompliment an etwas Altes, Gebrauchtes, mit Patina Versehenes wie diesen Vergleich?
Ihr Global Oldie

* “…Mas hoy, plena de rancio desaliño / bien puedes inspirar ese cariño / que uno le tiene a sus zapatos viejos.”