vignette_mielenzFachärzte stellen eine dramatische Zunahme von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen fest und das, obwohl diese psychische Krankheit oft verkannt, bzw. nicht erkannt wird (Nürnberger Zeitung v.2.3.2015, S.15). Das Deutsche Bündnis gegen Depression e.V. (www. buendnis-depression.de/depression/kinder-und-jugendliche) geht davon aus, dass leichte depressive Verstimmungen bis zu schweren depressiven Störungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen gehören. Das Risiko liegt im Vorschulalter bei etwa 1 %, im Grundschulalter bei etwa 2 % , im Jugendalter zwischen 12 und 17 Jahren bei 3 – 10 %.

Aber wie erkennt man depressive Störungen oder gar schwere depressive Erkrankungen? Je nach Alter der Kinder oder Jugendlichen sind depressive Symptome unterschiedlich und es ist oft nicht eindeutig, was “normale”, entwicklungsbedingte oder was “krankhafte”  Verhaltensänderungen sind, insbesondere in der Pubertät. Fachleute gehen davon aus, dass zu melancholischen Stimmungen, Traurigkeit, Interesselosigkeit, Grübeln und Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit u.a.m. vor allem körperliche Symptome hinzu kommen, wie z.B. extreme Unruhe, starke Gereiztheit, Aggressionen, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Konzentrationsprobleme und Leistungsabfall in der Schule.

Natürlich fragen sich Eltern und Großeltern, was die Gründe für psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sein könnten? Meistens ist es ein ganzes Bündel von Ursachen, manchmal gibt es depressive Phasen ohne jeden Anlass. Wenn depressive Verstimmungen längere Zeit anhalten und sich von allein keine Besserung zeigt, wenn sich Kinder oder Jugendliche von der Familie und Freunden zurückziehen und sich stark in ihrem Verhalten und Aussehen verändern, dann sollte der Hausarzt und ggfs. ein Facharzt aufgesucht werden. Behandelt wird überwiegend ambulant, manchmal mit Medikamenten, in nur sehr schweren Fällen auch stationär.

Die frühe Erkennung einer depressiven Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen ist ohne jeden Zweifel wichtig, genauso wie die therapeutische Hilfe durch Fachärzte, um Spätfolgen zu vermeiden. Aber manchmal, denke ich, sollte man sich auch in Geduld üben. Wir alle kennen die Phasen “himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt” aus unserer Jugend und nicht jede Aggression oder nicht jeder Leistungsabfall in der Schule geht auf eine depressive Verstimmung zurück. Ich denke, wir sollten mit Kindern und Jugendlichen verantwortungsbewusst und sorgfältig, aber auch vorsichtig umgehen. Aber genau das macht es ja so schwer ?