Foto: Pixabay

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Schaffen es schwule Senioren und lesbische Seniorinnen in einem speziellen Wohn- und Pflegeprojekt besser, selbstbestimmt zu leben und gut betreut zu werden? Das hat jetzt ein Forschungsprojekt namens „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter“ (GLESA) einmal untersucht.

Untersuchungsgegenstand war in den vergangenen zwei Jahren das Wohn- und Pflegeprojekt „Lebensort Vielfalt“ in Berlin-Charlottenburg beziehungsweise welchen Beitrag es für die kommunale Altenhilfe leisten kann. Die Ergebnisse zeigen, dass der „Lebensort Vielfalt“ ein diskriminierungsfreies Wohnumfeld ermöglichen konnte, welches ein selbstbestimmtes Leben und soziale Teilhabe im Alter fördert. Die Thematisierung von Sexualität im Alter ist im „Lebensort Vielfalt“ mit schwulen, lesbischen und heterosexuellen Bewohnerinnen und Bewohnern im Alter von 21 bis 86 allgegenwärtig und weniger von Tabus geprägt. Der ambulante Pflegedienst CuraDomo – GLESA-Kooperationspartner – hat darin gar eine Marktlücke entdeckt. Die Engagementstrategien der Generation älterer schwuler Männer und die Sorge vor Einsamkeit und Isolation im Alter waren für die Umsetzung des Wohnprojekts von Bedeutung und lassen Potenziale auch für andere Milieus und die Mehrheitsgesellschaft erkennen. So werden die Verknüpfung von Wohnprojekt mit Pflegeetage einerseits und das Angebot von Kultur, Beratung und Ehrenamt anderseits als Pionierleistung empfunden und für Wohnprojekte für das Alter generell weiterempfohlen.

Auf eer Fachtagung wurden die Ergebnisse jüngst lebhaft diskutiert. Sowohl die Wissenschaftler als auch das Publikum beklagten die teilweise noch bestehenden homo- und transphoben Einstellungen des Pflegepersonals in den herkömmlichen Pflegeeinrichtungen und die mangelnde Förderung von neuen Wohnformen, die – wie der Lebensort Vielfalt in Berlin-Charlottenburg – besser geeignet sind, die soziale Integration älterer Menschen zu gewährleisten. Details wird man im Sommer 2015 erfahren können, wenn das Forschungsteam um die Projektverantwortlichen Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Prof. Dr. Claudia Gather von der kooperierenden Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) einen Forschungsbericht vorlegt.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Schwulenberatung Berlin, dem Pflegedienst CuraDomo sowie dem Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen umgesetzt. Das Projekt wird vom Institut für Angewandte Forschung Berlin (IFAF) gefördert.