vignette2012 Hello All, es wird allmählich eng auf dem linken Unterarm. Zu den Loom- Bandz- Gummigeflechten der (Enkel-)- Kinder, nostalgischen Elefantenhaarschleifen, balinesischen Bändchen aus dem Fair Trade, Schmuckkettchen und Armbanduhr drängeln sich neuerdings gummierte Reifen dazu. Mal in martialisch matt schwarzer „heavy duty“ Ausführung, mal sportlich bunt, mit oder ohne Digitalanzeiger: „Activity Tracker“. Sind Teil des „Life Logging“ oder „Quantified Self“. Zu deutsch: Automatische Logbücher zu den menschlichen Vitalfunktionen, rund um die Uhr. Je nach Ausstattung messen die Sensoren geleistete Schritte und Treppenstufen pro Stunde und Tag, Höhenmeter und Schlafzeiten; Kalorienverbrauch, Über- und Unterzuckerung, Herzrhythmus, Transpiration, Sauerstoffsättigung im Blut, Hautwiderstand und somit emotionale Erregungszustände, Luftdruck- und Luftqualität in der Umgebung – und vieles mehr. Die Dingerchen und deren Software berechnen Kurz- und Langzeitrends mit Zielvorgaben; bei Wohlverhalten  spendieren sie dem Träger Smileys oder Bonuspunkte zur Belohnung. Direkt am Band oder per Bluetooth oder USB-Anschluss am Laptop oder Smartphone abzulesen; und per Knopfdruck in die Weiten der Social Media hinaus posaunt: „Ich tu‘ was für meine Gesundheit!“. Ursprünglich als Fitness- Helfer für Bewegungspflichtige gedacht, stoßen die Activity Tracker neue Trends weltweit an.
Ich sehe in der „Quantified Self“ / „Ich in Zahlen“ – Bewegung einen Paradigmenwechsel der Selbstdisziplinierung. Der Sitz des Gewissens macht eine Nebenstelle auf im Minicomputer am Handgelenk; registriert unbestechlich Trägheits- und Esssünden, bestraft mit unerbittlichen Kennzahlen den inneren Schweinehund. Es warnt vor sich anbahnenden Risiken und zeigt Erfolge beim Vergleich mit Daten aus der Vergangenheit – ohne Erinnerungslücken und Selbsttäuschung. Ich wünsche mir eine Schutzengel-App, die Warnpfiffe wie ein Murmeltier ausstößt, wenn mein Herzrhythmus oder Verlangen nach Salzstangen aus dem Toleranzbereich ausschert. Die digitale Selbstvermessung hat das Zeugs zur neuen Religion, in Ergänzung zu oder als Ersatz für Selbsterkenntnis. Sagen wir mal, Selbsterkenntnis scheibchenweise. Gemäß der Devise „Ich beobachte mich anhand 22 Parameter 24/7 – also bin ich“. Statt Tagebuch oder Selbstreflektion?
Nun ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Alternden dank ihrer Zipperlein ein mindestens so großes Interesse am Zustand und Entwicklung der Vitalfunktionen haben sollten wie junge Sportler. Insofern bekommen nun die „Health Apps“* Auftrieb und Rückenwind von Vorsorge orientierten Ärzten und besorgten Angehörigen. Werte Freunde, bereiten Sie sich jetzt schon auf das nächste Weihnachtsgeschenk Ihrer Lieben vor: es könnte ein „Activity Tracker„ werden. Nein, nicht weil die Jungen sich Sorgen um ihre entgleisungsgefährdete Gesundheit machen und Sie in letzter Zeit zunehmend unfit erscheinen würden; so ein Missverständnis auch! Sie würden den „Activity Tracker“** bekommen, weil er sau- modisch ist und für einen zeitgemäßen, aktiven Lebenswandel steht. Das Statussymbol für den Senior von Welt, der mit dem verantwortungsbewussten, digitalen Zeitgeist geht. Danke, Euch Nerds im Silicon-Valley!
Ihr Gloabl Oldie
• Dazu gibt’s Hunderte an Apps. Vielleicht nehmen sich unsere Expertenblogger vom „Starthilfe“ des Themas mal an?

• Falls Sie nicht unvorbereitet an den Gabentisch 2015 treten oder vorbeugend ein Wörtchen mitreden wollen, hier ein paar der aktuellen Produkte: Fitbit, Jawbone, Samsung Gear Fit, Sony SmartBand, Nike FuelBand, Polar Loop, Garmin Vivofit, Withings Pulse, Misfit Shine, Medisana Vifit…. Florian Schumacher hat in seinem Blog igrowdigital.com eine sehr lesenswerte Bewertung dazu geschrieben.