Kein Telefon, nur noch Meeresrauschen. Foto: Fotolia

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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die wichtigsten Neuerung der Rente mit 63 veröffentlicht. Wir präsentieren diese leicht überarbeitet:
Wer 45 Jahre Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit Vollendung des 63. Lebensjahres ab dem 1. Juli 2014 ohne Abzüge in den Ruhestand gehen.
Bisher müssen Versicherte für jeden Monat, den sie vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente gehen, 0,3 Prozent Kürzungen bei ihrer Rente in Kauf nehmen.
Zudem werden die Anspruchsvoraussetzungen verbessert:
–        Kurzzeitige Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit (Bezug von Arbeitslosengeld I), Zeiten der Pflege, sofern Versicherungspflicht bestand, Erziehung von Kindern bis zum 10. Lebensjahr sowie Schlechtwetter-, Insolvenz- oder Kurzarbeitergeld werden angerechnet.
–       Nicht berücksichtig werden Zeiten mit Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II (Hartz IV), da es sich hierbei um Fürsorgeleistungen handelt und nicht um Versicherungsleistungen.
–       Um Frühverrentungen zu vermeiden werden Zeiten des Arbeitslosengeldbezuges in den letzten zwei Jahren vor der abschlagsfreien Rente ab 63 nicht mehr mitgezählt.
–       Eine Ausnahme ist jedoch für Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs vorgesehen, die durch eine Insolvenz oder eine vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht wurden. Denn in diesen Fällen liegt typischerweise keine missbräuchliche Frühverrentung vor.
–       Mit dem Rentenpaket kann der Rentenanspruch auch erstmals mit freiwilligen Beiträgen begründet werden. Da auch freiwillig Versicherte, insbesondere selbständige Handwerker, die nach 18 Jahren Pflichtbeitragszahlung in die freiwillige Versicherung wechseln können, häufig jahrelang wie Arbeitnehmer ihren Beitrag zur Stabilisierung der Rentenversicherung erbracht haben, werden sie jetzt auch bei der abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte ab 63 berücksichtigt. Im Ergebnis müssen 45 Jahre vorliegen.
–        Zur Vermeidung von Frühverrentung  werden auch hier in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn freiwillige Beiträge, die neben Arbeitslosengeldbezug gezahlt werden, nicht berücksichtigt. Auch diese Regelung kann daher nicht als Brücke in die Frühverrentung genutzt werden.
Aus der Rente ab 63 wird schrittweise die Rente ab 65.
Die Rente ab 63 gilt nur
–       für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind
–       und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt und die die sonstigen Voraussetzungen erfüllen.
–        Für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1953 geboren sind, steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Wer also nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, kann nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat.

Schrittweise Anhebung der Rente ab 63

Versicherte
Geburtsjahrgang

Anhebung um … Monate

auf Alter

Jahr

Monat

1953 2 63 2
1954 4 63 4
1955 6 63 6
1956 8 63 8
1957 10 63 10
1958 12 64 0
1959 14 64 2
1960 16 64 4
1961 18 64 6
1962 20 64 8
1963 22 64 10

Wer profitiert?

Von der Rente ab 63 können anfänglich bis zu 200.000 Personen pro Jahr profitieren, davon sind rund ¼ Frauen. Das bedeutet nicht, dass 200.000 Personen früher in Rente gehen. Denn auch nach geltendem Recht gehen Personen im Alter von 63 Jahren in Rente, allerdings mit Abschlägen. Diese Menschen können nun nach 45 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen.

Die Rente ab 63 ist verbunden mit anfänglichen Kosten von rund 1 Mrd. Euro pro Jahr, die rasch auf 2 Mrd. Euro pro Jahr ansteigen. Langfristig (2030) wird mit Kosten von rund 3 Mrd. Euro pro Jahr gerechnet.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf einen Kommentar von Ursula Engelen-Käfer in der tageszeitung (taz), der folgendermaßen endet:(…)“Insgesamt werden die großen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung in diesem Rentenpaket überhaupt nicht angepackt: die massiven Kaufkraftverluste der Rentner, die drohende massenhaft Altersarmut, die gravierenden Ungerechtigkeiten bei der privaten Altersvorsorge, die Rente mit 67. Vor allem aber: dass endlich alle Erwerbstätigen in die Rentenversicherung einzahlen müssen, mithin auch Selbständige, Beamte, Politiker und die, deren Einkommen oberhalb der Bemessungsgrenzen liegt.
Es rächt sich, dass die SPD in der Großen Koalition vollständig auf ihre Wahlkampfforderungen verzichtet hat, hohe Einkommen, Vermögen, Erbschaften und Kapitalerträge stärker zu besteuern.
Denn damit hätten die finanziellen Spielräume für die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung gerade für die jüngeren Generationen geschaffen werden können.“