vignette_mielenzDer Wechsel von der Grundschule in eine weiterführende Schule ist für Schüler und Schülerinnen der dritten, spätestens aber zu Beginn der vierten Klasse (Berlin/Brandenburg erst nach der sechsten) mit sehr viel Stress verbunden. Wohlbemerkt, die Kinder sind dann in der Regel noch nicht einmal 10 Jahre alt.
Dabei ist der Schul-Übertritt (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium?) eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben von Kindern, in einem Alter, in dem sie diese “Weichenstellung” selbst nur durch ihre Schulnoten beeinflussen können, denn entscheidend ist in fast allen Bundesländern der Notendurchschnitt. Für das Gymnasium brauchen die Schüler und Schülerinnen z.B. in Bayern einen Notendurchschnitt von 2,33 in Mathe, Deutsch sowie in Heimat- und Sachkunde.
Keine leichte Übung für alle Beteiligten, für Schüler, Eltern und Lehrer. Nicht alle, aber doch viele Eltern möchten für ihr Kind den Übertritt auf ein Gymnasium, um einen optimalen beruflichen Werdegang offen zu halten. D.h., bei den vielen Proben (früher Klassenarbeiten), die geschrieben werden müssen, versuchen Eltern, ihre Kinder fit zu machen, indem sie Nachhilfe organisieren, im Internet Übungsblätter herunterladen und manchmal meinen, auch mit Medikamenten Konzentration und Aufmerksamkeit ihrer Kinder beeinflussen zu müssen. Selbstverständlich werden Eltern von den zuständigen Lehrern zu den Leistungen und zum möglichen Schul-Übertritt ihrer Kinder beraten, was aber selten gut gelingt, denn (so äußern sich die Lehrer) in den Beratungsstunden wird fast ausschließlich um den Notendurchschnitt gestritten.
Weil die Situation für alle wochen- und monatelang sehr belastend ist, wird zurzeit in einigen Bundesländern diskutiert und in einigen wenigen praktiziert, allein die Eltern für über die weiterführende Schule entscheiden zu lassen.
Ich bezweifele, dass das nun der richtige Weg ist, denn es gibt ja auch Eltern, die selbst bei besten Noten ihrer Kinder gar nicht wollen, dass ihre Kinder “höhere” Schulen besuchen.
Wichtig scheint mir zu sein, die frühzeitige Festlegung der Schüler auf eine Schulart zu vermeiden, in dem man die Übertritts-Entscheidung wenigstens erst nach der sechsten Klasse fällt, die Schulsysteme ganz und gar durchlässig gestaltet oder am besten die Dreigliedrigkeit abschafft … aber das wird insbesondere von Eltern auch nicht gewollt.