vignette_fargel1Hello All, St. Christopherus trug seine Klientel noch auf Schultern durch die reissenden Fluten. In aehnlicher Mission lotsen heute Count Down Ampeln die Kundschaft quer durch den Verkehrsstrom. Mehr oder minder erfolgreich. Sie zeigen per Leuchtzahlen den Fussgaengern an, wie viele Sekunden zum Queren der Gefahrenstrecke bleiben. Manche Count Down Ampeln sprechen die Fussgaenger sogar an , andere ticken gleichmaessig oder zum Ende hin beschleunigend. Je nach Strassenbreite, Verkehrsspuren und Verkehrsinseln stehen zwischen 15 bis 25 Sekunden zum Queren zur Verfuegung. Was nach Berechnungen der Verkehrstechniker selbst fuer bedaechtigere Fussgaenger bis zum naechsten rettenden Ufer reichen sollte. Vorausgesetzt, man kann ungehindert los marschieren, unbehindert vom Abbiegerverkehr. Das klappt meiner Beobachtung nach in den amerikanischen Grossstaedten wie San Francisco problemlos. In Mexico City bedarf es als Fussgaenger schon mehr als nur Vertrauen in die Magie der Superampeln: hier hilft zusaetzlich ein waches Auge und betont flexibler Gehstil, um uebereiligen Motorraedern auszuweichen. In Chinas Metropolen jedoch erweisen sich Ampeln jedweder Art als gut gemeinte, aber wirkungsfreie Schutzmassnahme fuer Strassenquerer. Abenteuer pur, ohne Netz; egal, wie lange die Count Down Ampel zaehlt, tickt, wegguckt. An besonders kritischen Strassenkreuzungen haben deshalb zusaetzlich derzeit ca. 300.000 uniformierte Strassenverkehrsassistenten die Aufgabe uebernommen, heimtueckisch leise Elektro- Motorraeder/Roller, die allerletzten Radfahrer, ruppige Autoabbieger sowie Fussgaenger unblutig zu entflechten und letzteren halbwegs sicheres Geleit ueber die Strasse zu organisieren. Mit beigen Uniformen, grellgelben Sicherheitswesten, markantem Cappy und staendig beanspruchter Trillerpfeife gut erkennbar , sind sie eine populaere, wenn nicht sogar die letzte moegliche Anlaufstelle der weniger Beherzten, verzagten Auslaendern oder aelteren Fussgaenger, die ueber die Strasse moechten. Die versierten lokalen Senioren haben eine weitere Ueberlebensstrategie fuer die monsterchaotischen Strassenquerungen entwickelt. Beim o.g. Traffic Assistant rotten sie sich zu Gruppen von 8 – 10 Langsameren zusammen, um dann beim Startpfiff des Uniformierten im dicht geschlossenem Pulk, der keine Radler oder Draengler mehr durch laesst, ueber die Kreuzung zu zuckeln – unbehelligt vom Count Down Geflicker am gegenueberliegenden Strassenufer. Gemeinsamkeit macht stark: die Kombination aus Ampel, Verkehrsassistenten, Pulk und Mut. Manche dieser Verkehrsassistenten sind inzwischen bei ihrer aelteren Stammkundschaft so beliebt, dass man sie gruesst oder ihnen kleine Geschenke mitbringt.
Also, von mir aus: her mit den Count Down Ampeln; Rueckwaertszaehlen soll ja Alzheimers vorbeugen helfen. Die chinesische Ausgabe des St. Christopherus gefaellt mir aber noch am besten. Waere das mal was fuer den Bundesfreiwilligendienst oder passionierte Schuelerlotsen?
Ihr Global Oldie