vignette_mielenzDa aus Vätern irgendwann wahrscheinlich Großväter werden, beginne ich mit der erneuten Diskussion um die Bedeutung von Vätern in der Erziehung (insbesondere von Jungen) in der Familie, in Kindertagesstätten und in Grundschulen. Ohne männliche Vorbilder könnten sich Jungen nicht geschlechtsspezifisch entwickeln, so die These.
So gibt es z.B.(seit Jahrzehnten) die Debatte um mehr männliche Erzieher in Kindertagesstätten genauso wie die neuerliche Erkenntnis, dass selbst die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf viel zu stark auf Mütter ausgerichtet ist, schließlich gibt es ja auch Väter, die sich in der Erziehung stärker ihren Kindern widmen möchten, ohne dabei berufliche Nachteile einstecken zu müssen.
Offenbar hat diese neue (oder neuerliche) Väterdiskussion auch zu Projekten geführt, die sich eben nicht an Großeltern, sondern ausschließlich an Großväter und Enkelkinder richten. Gefördert vom Bundesfamilienministerium und vom Europäischen Sozialfonds bietet z.B. das Deutsche Rote Kreuz in Herford Großvätern an, mit den Enkelkindern “die Welt zu erkunden”. Dazu werden Großvätern vielfältige Angebote unterbreitet. “Für jeden ist etwas dabei: ein ruhiger Vorlesetag oder ein Besuch im Museum ebenso wie eine abenteuerliche Kanutour oder ein Sport-, Spiel-, Werk- oder Bastelangebot” (zit. aus dem Prospekt des DRK Herford). Kochen, backen, gärtnern, musizieren, Ausflüge machen, alles ist möglich, um die Rolle als Großvater neu und anders zu erleben.
Warum ist das so im “Geschlechterkampf”? Kaum, dass Mädchen bessere Schulerfolge vorweisen, wird die Benachteiligung von Jungen hervorgehoben; kaum, dass es Frauen mit Kindern gelingen soll, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, wird ein neues Väterverständnis proklamiert; und kaum, dass die Bedeutung von Großeltern für ihre Enkelkinder unterstrichen wird, braucht es ein neues Großväterverständnis und Projekte, die sich nur an sie richten. Was sagen denn die Großmütter dazu?