Es ist schon erstaunlich, wie groß der Nimbus ist, mit dem die Deutschen den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt umgeben. Sogar eine neue Lebensgefährtin wird ihm sofort verziehen, obwohl seine vor zwei Jahren verstorbene Frau Loki doch ebenfalls viel Sympathie in der Bevölkerung genossen hat.
Während die Medien bei Helmut Kohls neuer Partnerschaft noch sehr zurückhaltend reagierten und beim ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ebenfalls, ist hier die öffentliche Meinung auf Seiten des Vorzeige-Alten. Er darf seine letzten Lebensjahre durchaus mit einer Frau verbringen, die ihn und seine Familie seit Jahrzehnten gut kennt. 1955 sollen sie sich das erste Mal begegnet sein.
Ich meine, das ist ein ermutigendes Zeichen in die Gesellschaft hinein. Zumal die “Neue” an Schmidts Seite selber schon 79 Jahre alt ist, also keineswegs im Enkelinnenalter wie bei Franz Müntefering oder verdächtig, das Erbe ihres Mannes nach seinem Tod zu beschädigen wie bei Willy Brandt. Natürlich ist es für die Nachkommen, allen voran die Kinder, nicht einfach, den verwitweten Elternteil mit einem neuen Partner zu akzeptieren. Doch andererseits ist es ein urmenschliches Bedürfnis, das Leben mit jemandem zu teilen. Gerade bei Menschen wie Helmut Schmidt, die mehr als 60 Jahre gemeinsam mit ihrer Frau lebten, muss die Einsamkeit sehr groß sein. Ob es tatsächlich Liebe ist, sei dahin gestellt und geht einen Außenstehenden nichts an. Doch das Bedürfnis nach Nähe und Teilhabe ist sicher in jedem Alter ausgeprägt, wenn derjenige noch geistig fit ist. Das ist der Alt-Bundeskanzler, wie immer wieder durch Medienpräsenz gezeigt wird, auf jeden Fall.
Zwei Fragen beschäftigen mich dennoch. Erstens:Raucht seine neue Gefährtin?
Zweitens: Wäre das bei einer 93-jährigen Frau auch denkbar, dass sie einen neuen Partner findet?