Persönliche Gegenstände wie Tagebücher oder Fotos von Verstorbenen bleiben häufiger im Besitz der Erben.

In der dritten, exklusiv für das Magazin sechs+sechzig durchgeführten Umfrage des Marktforschungsinstituts Psyma unter der Leitung von Matthias Fargel geht es um die “letzten Dinge” des Lebens: Erbschaft, Vormundschaft, Organspende und Testament.
Erben sitzen oft vor den Hinterlassenschaften der Verstorbenen – Briefe, Fotos, Geschirr, Kleider oder Schmuck – und wissen nicht so recht, was sie damit tun sollen. Die von Psyma Befragten tendieren erstaunlicherweise insgesamt dazu, das Erbe zu behalten. Und: Je jünger die Befragten sind, desto eher behalten sie persönliche Gegenstände des Verstorbenen. Ganz oben auf der Liste stehen Dinge, die die Persönlichkeit des Verstorbenen zum Ausdruck bringen: Fotos, Filme, Briefe oder Tagebücher. Dazu gehört auch Schmuck, den vor allem Frauen gerne behalten. Schwieriger wird es schon bei Gegenständen, die den Geschmack oder die (Welt-)Anschauung des Verstorbenen zum Ausdruck bringen. Möbel, Geschirr, Kleider oder Bücher gehören in diese Kategorie.
Zum einen verfügen die meisten Erben selbst – oft im Überfluss – über diese Gegenstände. Zum anderen entsprechen die Güter oft nicht dem Geschmack der Erben. Dies kommt in einer – statistisch gesehen – schwächeren Neigung der Befragten zum Ausdruck, die Gegenstände zu behalten. Für die Erben gibt es in diesem Fall zwei Möglichkeiten: die Gegenstände zu veräußern oder sie zu verschenken. Die Forscher um Matthias Fargel haben herausgefunden, dass auf der Liste der Dinge, die gerne zu Geld gemacht werden, Möbel, Bücher und Geschirr ganz oben stehen. Je jünger die Befragten, desto eher sind sie dazu bereit, diese Gegenstände zu verkaufen; vielleicht auch, weil sie stärker auf die Einnahmen angewiesen sind. Ältere sind deutlich weniger bereit, das Erbe zu verkaufen. Sehr zurückhaltend sind aber alle Befragten, wenn es darum geht, die persönlichsten Dinge des Verstorbenen auf dem Markt anzubieten. Ähnliches gilt auch beim Verschenken des Erbes. Hier trennen sich die Erben von denjenigen Gegenständen am leichtesten, die nicht zu ihnen “passen”: Wenn die Erben etwas nicht in ihren Besitz übernehmen wollen, dann werfen sie die Gegenstände, die die Persönlichkeit des Erblassers ausmachen – Briefe, Fotos oder Filme – weg.
Die Forscher der Psyma-Gruppe aus Rückersdorf haben sich in ihrer Umfrage aber nicht nur mit dem Umgang mit dem materiellen Erbe befasst. Sie haben die Teilnehmer auch zu Maßnahmen befragt, die Erblasser weit vor ihrem Tod ergreifen können, um Angehörigen eventuell Entscheidungen leichter zu machen oder den Wünschen Sterbender zu entsprechen. Auffällig ist hier grundsätzlich der hohe Anteil von Befragten, die zu den angesprochenen Themen gar keine Meinung haben oder für die die vorgegebenen Möglichkeiten keine Option sind. So besitzt zwar knapp die Hälfte der Befragten eine Lebensversicherung, weitere sieben Prozent planen, sich eine anzuschaffen, aber für 44 Prozent ist dies überhaupt kein Thema. Erstaunlich ist auch, dass sich viele Befragte beim Thema Vormundschaft, die etwa im Falle einer Demenz wichtig werden kann, nicht äußern. Nur zu schriftlich niedergelegten Testamenten und Patientenverfügungen hat die Mehrheit der Befragten eine (deutlich positive) Meinung. Hier gilt: Je älter die Menschen, desto höher die Neigung, ein schriftliches Testament zu verfassen. Vor allem bei den über 62-Jährigen ist es beinahe die Hälfte der Befragten, die ein Testament bereits verfasst hat.

Rainer Büschel