Nein, es sind nicht meine Enkelkinder, aber es sind Kinder und vor allem Jugendliche, die sehr wohl meine Enkel sein könnten und deren Rücksichtslosigkeit mir zunehmend auffällt. Das fängt schon beim Einkaufen im Supermarkt an. Wenn ich die falsche Tageszeit erwische, ist der Supermarkt voller junger Leute, die sich (nach der Schule oder in der Mittagspause)was zu trinken oder auch nur ein belegtes Brötchen kaufen.
Natürlich habe ich mehr eingekauft und es dauert etwas länger, bis ich alles eingepackt und bezahlt habe. Und da ich nicht mehr so schnell bin und manchmal erst nach dem passenden Geld suchen muß, wird die Schlange junger Leute hinter mir zumeist sehr ungeduldig. Dann muß ich mir beleidigende Meckereien und unfreundliche Bemerkungen anhören, als ob keiner mehr eine Minute Zeit hat.
Auf dem Nachhauseweg ergeht es mir auch nicht viel besser, egal zu welcher Tageszeit. Zu zweit oder zu dritt kommen mir junge Leute auf dem Bürgersteig entgegen, ohne dass einer auf die Idee käme, mir beim Vorbeigehen Platz zu machen. Also gehe ich zur Seite und warte bis ich weitergehen kann – übrgens, ohne ein freundliches Danke derer, denen ich Platz gemacht habe.
Dass mir in der vollbesetzten Straßenbahn, im Bus oder in der U-Bahn junge Leute einen Platz angeboten hätten, daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Einmal habe ich eine junge Frau gebeten (sie hätte durchaus meine Enkeltochter sein können), ihr noch sehr kleines Kind auf den Schoß zu nehmen, damit ich mich setzen kann. Ihre Antwort: Auch ihr Kind hätte den Fahrpreis bezahlt, ich solle, wenn ich unbedingt sitzen müsse, ein Taxi nehmen.
Keine guten Zeiten für ältere Menschen, die manchmal nur etwas Freundlichkeit und vielleicht auch Nachsicht bräuchten?