Das MoSi-Training stärkt Balance, Kraft, Koordination und die Gruppengemeinschaft.

Hundert Mal habe ich den Teppich im Wohnzimmer überquert, ohne dass etwas passiert ist, beim 101. Mal bin ich gestolpert und gestürzt«, berichtet die betagte Patientin, »und seitdem passierte es mir häufiger«. Damit ist sie nicht allein.

Tatsächlich zeigt die Statistik, dass nicht nur das Risiko zu stürzen ab 65 Jahren zunimmt, sondern auch, dass dieses Risiko nach dem ersten Sturz deutlich und kontinuierlich steigt. Zumeist steckt eine verminderte Mobilität und Gangsicherheit dahinter. Das muss kein unabänderliches Schicksal sein. Durch aktives Training kann man vorbeugen und, auch das ist statistisch belegt, die Häufigkeit von Stürzen um ein Drittel und mehr verringern. 

30 Standorte in Bayern

Eines der Trainings- und Präventionsprogramme ist MoSi, das Physiotherapeuten und Ärzten des Geriatrie-Zentrums Erlangen im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien im Jahr 2004 entwickelt hatten. Es wird mittlerweile an 30 Standorten in Bayern angeboten und vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert. 

MoSi steht für »Mobilität und Sicherheit im Alter«. Das fünfwöchige Programm mit 50 verschiedenen Übungen umfasst jeweils zehn Einheiten zu je einer Stunde. Zwei Termine pro Woche sind nötig, um Ausdauer, Kraft, Balance, Koordination, Reaktion und das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Aber es geht noch mehr: Der Physiotherapeut Dr. Samuel Schülein, der das Projekt maßgeblich mit entwickelt hat, empfiehlt, mehrmals in der Woche zu Hause zu üben.

Weil auch er weiß, dass der innere Schweinehund oft etwas dagegen hat, wird auch »sanfter Druck« ausgeübt – Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen Buch führen über ihr häusliches Training und in der nächsten Übungsstunde darüber berichten. Außerdem gibt es eine Übungsbroschüre, seit der Pandemie Videos und nun auch wieder Kurse in Präsenz. 

Waldkrankenhaus als Vorbild

Die erste Etappe, in der MoSi bayernweit ausgedehnt wurde, ist abgeschlossen. Neben dem Waldkrankenhaus gibt es das Angebot auch bei Krankengymnastik Schmidt-Staudt in Fürth, beim SC Uttenreuth, und bei Vanitas in Höchstadt. 

Günter Heilmann (86): Es ist schon fünf Jahre her, dass wir zu MoSi kamen. Damals hatte ich im Waldkrankenhaus eine neue Hüfte bekommen. Seitdem gehe ich regelmäßig, und meine Frau kommt auch mit.

Es nützt ja schon, wenn man der Verschlechterung und dem Nachlassen der Kräfte entgegen wirken kann. Das ist ein Erfolgserlebnis und ein Ansporn, weiterzumachen. Ganz wichtig ist die Gruppe. Mit sieben oder acht anderen zusammen macht es viel mehr Spaß und bringt mehr. Leider kam dann Corona. Wir haben die Möglichkeit der Video-Übung genutzt. 

Lore Heilmann (85): Die normale Reha nimmt keine Rücksicht auf das Alter, MoSi schon, das ist der große Vorteil. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Dass Trainingserfolge direkt durch höhere Leistungsfähigkeit spürbar sind, könnte ich nicht sagen. Wichtiger ist, dass wir durch kontinuierliches Mitmachen erleben, wie viel wir nach Jahren immer noch selbst machen können, was in unserem Alter ja nicht unbedingt bei jedem der Fall ist.

Hermann Schuster (90): Ich wurde im Februar 2014 am Herzen operiert, ich bekam einen Bypass und eine Herzklappen-Reparatur. Es folgten Reha und Physiotherapie, aber die Genesung verlief ganz schleppend. In der Gruppe mit maximal zehn Leuten lernt man sich näher kennen, das wird schon wie eine zweite Familie. Leider kam dann die Pandemie. Aber wenn es jetzt mit den Trainingsstunden weitergeht, bin ich sofort wieder dabei.

Therapeutin Bianca Weyermann: Ich habe den Eindruck, dass Mosi den Seniorinnen und Senioren extrem viel bringt, um auch zu Hause zu trainieren, mehr Dinge wieder allein machen zu können und Spaß an der Bewegung zu bekommen. Das kommt in der Gruppe immer wieder sehr gut rüber. Das Allerschönste dabei ist, dass auf diesem Weg viele sozialen Kontakte geknüpft werden. Meistens wollen alle den nächsten Kurs in der gleichen Gruppe fortsetzen. Man geht Kaffeetrinken oder trifft sich auch sonst oder fährt gemeinsam zum Training.

Text: Herbert Fuehr
Foto: Malteser Waldkrankenhaus St. Marien

Information:

  • Die Kosten für die MoSi-Kurse werden von vielen Krankenkassen zumindest teilweise erstattet.
  • Anmeldung für Kurse im Waldkrankenhaus: mosi@waldkrankenhaus.de und 09131/822-3707
  • Weitere Informationen unter www.mosi-training.de