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Senioren-Boykott beim Konsum

Hello All,

Boykott ist eine mächtige Waffe der Friedliebenden. In der alt-griechischen Komödie Lysistrata treten Frauen in den Sexstreik, um ihre Männer zur Beendigung des peloponnesischen Krieges zu zwingen –  antike Vorläuferinnen der „make love, no war“ Bewegung. Verbraucher boykottieren heutzutage Hersteller und Lieferanten, wenn diese ins Gerede kommen. Solche Kaufboykotts treffen vitale Bereiche der Unternehmen: Umsatz, Marge, Marktanteil, Verbrauchervertrauen. 50 % der Spanier outen sich als gelegentliche Kaufboykotteure*.  Auch 37 % der Deutschen haben sich schon bestimmten Marken wegen vermeintlichen Fehlverhaltens verweigert. Deutsche sind zudem konsequent: 61 % der Boykotteure ziehen ihre Kaufenthaltung durch. Um Umweltschädliches, Tiermisshandlung, Lohndumping, Kinderarbeit oder inakzeptable Arbeitsbedingungen abzustrafen.  Also richten exponierte Unternehmen Stabsstellen und Routinen ein, um kritische Umstände zu modifizieren.  Und werben dann mit ihrem Wandel zum Besseren.  Was die kritische Öffentlichkeit wiederum mit „green washing“ – Argwohn verfolgt; trotz erfreulicher Initiativen.

Was mich zur Macht der Alten bringt. Nicht nur in Deutschland gehören die Senioren ab 60 zu der kaufkräftigsten Verbraucherschicht. Senioren machen 26 % der Bevölkerung aus, stemmen jedoch 30% des privaten Konsums. Nicht nur an jungen Schnäppchenjägern mit ausgeprägter Markenuntreue, sondern an den finanziell potenteren Senioren sollten sich die Anbieter stärker orientieren. Tun sie aber nicht; denn sie müssen es nicht. Weil, ja weil uns Senioren ein stoischer Hang zur Produkt-, Marken- und Vertriebstreue nachgesagt wird: Wir ließen uns aus Gewohnheit, Sentimentalität oder Faulheit Produkte andrehen, die es nicht wert sind. Dabei haben wir Alten die Muse und Besserwisserallüren,  um uns zu informieren, welche Produkte unseren Zuschlag verdienen. Abgesehen vom Umwelt, Sozialpolitik und Tierwohl: Wie wäre es denn mit mehr Rücksicht auf das Seniorenwohl bei den Verpackungen? Z.B. Drehverschlüsse, die man auch ohne Goliath öffnen oder Hinweise zu Verfallsdaten und Zusammensetzung, die man ohne Lupe finden und lesen kann?

Ich plädiere für zusätzliches „grey washing“ der aufgefrischten Produkte und Dienstleistungen; gleich  im Zuge der  „Vergrünung“ und „ethischen Optimierung“. Ansonsten rufe ich alle meine Altersgenossen zum „grauen Kauf-Boykott“ auf. Warum verweigern wir nicht unser Geld jenen Anbietern, die uns für dumm halten oder unsere Notwendigkeiten ignorieren? Wir hätten die Macht, dank Kaufboykott.

Ihr Global Oldie

*YouGov-Umfrage in 10 europäischen Ländern mit 10.157 Befragten, Juli/August 2020

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