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wohl dem, der eine Maske hat! Und sich beizeiten daran gewöhnt hatte, eine zu tragen. Was eine gewisse Leidensfähigkeit abverlangt. Das haben Chinesen und andere Ostasiaten uns voraus. Maskiert aus dem Haus zu gehen war dort schon Alltag, noch lange bevor Geflügel -und Schweinpest, SARS und Covid-19 es ratsam machten. In Pekings grimmigen Wintermonaten sah ich bereits vor dreißig Jahren überall Stoffmaskenbewehrte; zum Schutz vor eisigem Nordwind, Wüstensand, Kohlestaub und suppendicken Smog. In Japan erblühen die Masken auf den Gesichtern im Frühjahr als Barriere gegen Blütenpollen. Zur fernöstlicher Höflichkeit gehört es sich, bei eigenem Atemwegsproblemen mit Mundschutz unterwegs zu sein. Flugs ziehen sich jüngere Ostasiaten die Maske unterwegs über, um Pickel, Lippenherpes oder das noch unzureichend geschminkte Gesicht zu verbergen. Mit überdimensionalem Cappy, Designerbrille und modischer Maske spielen manche “Promi & Influencer” im Incognitus- Modus. Zudem konnte man sich in der VR China mit Maske und großer Sonnenbrille unverdächtig vor den allgegenwärtigen Gesichtserkennungskameras des Großen Bruders verstecken – bis die neueste Software von Sensetime solch albern analoge, zutiefst systemwidrigen Sperenzchen überlistet hatte. Asiatische Masken zeigen sich auch in höherwertiger Ausführung, farbenfroh und als trendiges Accessoires. Für regierungskritische Hongkonger kommen derzeit jedoch nur schwarze Masken in Frage, egal in welcher Form. Als politisches Statement in der Öffentlichkeit, zum Trotz gegen das im Oktober 2019 erlassene Vermummungsverbot.

Masken sind also anderswo schon seit längerem Alltagsgegenstände; obwohl sie schnell hinter den Ohren kneifen, auf der Nase drücken, die Brille nach oben schieben, das Atmen erschweren und überhaupt rundum unbequem sind.  Doch Ostasien wäre nicht zum ersten Male Vorreiter neuer Verhaltensmuster, siehe Essen, Tätowierungen oder Smartphone-Nutzung.  Ich rechne auch in unseren Gefilden bald mit vielen gesichtsverhüllten Passanten  – ganz freiwillig. Sobald Masken für jeden erhältlich sein werden; also nach einer der nächsten Hamsterkaufwellen. Spätestens wenn mittelfränkische Sportschuhhersteller die Nase- und Mundregion zum neuen Fuß als Zielobjekt erkoren haben.

Bis dahin selbstgenähte Masken aus Baumwolle sind übrigens kaum wirksamer als ein normaler Niqab islamischer Herkunft. Sollte man angesichts der neuen Situation Niqabträgerinnen gesellschaftlich nicht neu beurteilen?  Denn, wohl dem, der eine Maske hat, oder zumindest sowas ähnliches!

Ihr Global Oldie