Die Idee der Initiative „Radeln ohne Alter“ ist ganz einfach: Alten- und Pflegeheimbewohner werden herumkutschiert – durch die Stadt, durchs Grüne, zu alten Wirkungsstätten oder einfach nur, um mal wieder den Wind in den Haaren zu spüren.

Rikscha-Pilot und Passagier – viel Spaß an den Touren haben beide Parteien. Foto: Peter Oelker

„Radeln ohne Alter“ gibt es mittlerweile in rund 20 deutschen Städten. Ursprünglich kommt die Idee aus Skandinavien, der Weltverband „Radeln ohne Alter“ hat seinen Sitz in Kopenhagen. In Dänemark ist die Aktion („Cycling ude alder“) inzwischen schon in über 100 Gemeinden fester Bestandteil in Altenheimen. Die Initiative ist auch in Schweden und Finnland fest verankert und breitet sich von dort aus immer mehr aus – in die USA, nach Neuseeland, Kanada, Spanien, Österreich, Frankreich, Holland und England.

Auch Mittelstädte wie das niederrheinische Moers greifen die Idee inzwischen auf. Die Sozialorganisation SCI:Moers zum Beispiel hat eigens für diesen Zweck vor einem Jahr eine eigene Rikscha in Dänemark anfertigen lassen. Kosten: 6.300 Euro. Diese elektrogetriebene Rikscha ist wie ein Lastenfahrrad aufgebaut, mit Platz für zwei Personen. Selbst buchen können Heimbewohner die Rikschas jedoch nicht, nur über Heime, die mitmachen.

Die Piloten – so werden die Rikscha-Fahrer genannt – sind allesamt ehrenamtliche Fahrer. Bevor ein neuer Pilot seinen Dienst antreten kann, gibt es ein kleines Fahrtraining. Dieses Training leitet Volker Vorländer, ehemaliger Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Moers. „An so ein großes Rad mit E-Motor müssen sich die neuen Piloten erst gewöhnen“, erklärt Vorländer. Richtig schnell fahren wollen die Senioren aber ohnehin nicht. „Sie wollen hauptsächlich was sehen auf ihrer Tour. Zum Beispiel den alten Wohnort oder die Bäckerei, bei der sie immer ihre Brötchen gekauft haben“, so Vorländer.

Vorländer kennt sich bestens aus mit dem Radfahren in Moers – deshalb bekommen neue Piloten auch gerne mal Tipps von ihm für schöne Strecken. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Piloten mit den älteren Menschen ins Gespräch kommen. Die Piloten sollen sich nicht als Dienstleister verstehen, sondern den Austausch mit den Fahrgästen suchen und Kontakt mit ihnen aufnehmen.

An vier Tagen in der Woche ist die Rikscha schon verbucht. Die Rikscha steht pro Wochentag jeweils einem Heim zur Verfügung. Die Bewohner der Heime wissen also immer genau, an welchem Tag in der Woche sie eine Tour buchen können. Auch die Piloten können sich so auf ein Heim und einen bestimmten Arbeitstag einstellen. „Die Begeisterung bei den Teilnehmern ist riesig!“, berichtet Vorländer. Meist fährt eine Person alleine vorne in der Rikscha mit, es wäre aber auch Platz für zwei. Eine Tour dauert rund 1,5 Stunden. Die Aktion hat in Moers einen großen Zulauf, weitere Heime sollen folgen.