
Zeit seines Lebens soll Leonard Cohen an Depressionen gelitten haben, aber diese haben zu zahlreichen herausragenden Songs geführt, die das Lebensgefühl der heutigen Generation 50 plus prägten. Einer seiner bekanntesten Songs, performed 2009, hat über 50 Millionen Aufrufe. Die wohl meist zitierten Songtexte kennt jeder Cohen-Fan, „there is a crack in everything which have the light get in“. Auch ich habe in schwierigen Zeiten an diese Zeile gedacht und sie hat mir Kraft gegeben.
Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass in den Gesprächen dieser Tage etliche finden, dass Leonard Cohen den Literaturnobelpreis eher verdient hätte als Bob Dylan. Cohen hat diese Konkurrenz meines Wissens nie so thematisiert. Aber seine Fans denken so. Mein Kollege Magnus Zawodsky hat dies in seinem sehr treffenden Nachruf in der Nürnberger Zeitung noch einnmal aufgegriffen. Während Bob Dylan sich brüstete, einen Song in 20 Minuten auf dem Rücksitz eines Taxis verfassen zu können, brauchte Cohen bis zu vier Jahre für einen Song. Das merkt man.
Im Leben meiner Generation (sogenannte Babyboomer) geht es immer um ein entweder-oder: entweder Beatles oder Rolling Stones, entweder Geha Füller oder Pelikan, und wenn es heißt Cohen oder Dylan, stehe ich eindeutig auf der Seite der Cohen-Anhänger.
Ich vermisse die Chance, ihn einmal live zu erleben. Aber die Musik macht ihn unsterblich. Das tröstet.




