Emotionale Zuwendung ist für Demenzkranke sehr wichtig. Foto: epd

Emotionale Zuwendung ist für Demenzkranke sehr wichtig. Foto: epd

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat zu diesem Thema ein Forschungsprojekt des Zentrums für Palliativmedizin der Uniklinik Köln gefördert, das nun seinen Abschlussbericht und eine Arbeitshilfe für die Praxis veröffentlicht hat.

Die Untersuchung  hatte zum Ziel, die Bedürfnisse von Menschen mit schwerer Demenz in der letzten Lebensphase zu ermitteln und eine praxisgerechte Arbeitshilfe zur Verbesserung der (palliativen) Versorgungssituation in der stationären Altenhilfe zu entwickeln. Hierzu wurden eine systematische Literaturübersicht, zahlreiche teilnehmende Beobachtungen sowie Interviews mit Pflegekräften und Angehörigen durchgeführt. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass auch Menschen in schweren Demenzstadien noch umfassende Bedürfnisse besitzen – nicht nur körperliche wie Ernährung oder Schmerzfreiheit, sondern auch komplexere psychosoziale Bedürfnisse wie das nach Selbstbestimmung.

Auszug aus der Kurzfassung der Studie:

Die Auswertung des empirischen Datenmaterials mittels Grounded Theory brachte eine Vielzahl an Bedürfnissen hervor, die verschiedenen Bereichen (körperlich, psychosozial und spirituell)und Kategorien zugeordnet wurden(Tabelle 1). Körperliche Bedürfnisse beziehen sich dabei auf die Nahrungsaufnahme, das Wohlbefinden sowie körperliche Aktivität und Erholung. Aus dem psychosozialen Bereich konnten u.a. das Bedürfnis nach Selbstbestimmung, Zuwendung sowie nach Vertrautheit und Sicherheit identifiziert werden. Spirituelle Bedürfnisse beinhaltenden Ausdruck von Religiosität und die Teilnahme an religiösen Ritualen.

Die Erkennung und Erfüllung der Bedürfnisse ist eingebettet in einen Gesamtprozess, bei dem die Entdeckung des Person Seins von Menschen mit schwerer Demenz im Zentrum steht und der durch zahlreiche Einflussfaktoren (z.B. die innere Haltung oder das vorhandene Wissen der Mitarbeiter über die Bewohner sowie die Organisationskultur der Einrichtung) bestimmt wird. Nur wenn ein Zugang zum Bewohner gefunden wird, kann dessen Versorgung auch bedürfnisorientiert ausgerichtet werden. Die Untersuchung konnte insgesamt belegen, dass auch im Endstadium einer Demenz noch vielfältige, komplexe und individuell ausgeprägte Bedürfnisse vorliegen können, die im Wesentlichen mit denen nicht dementer Menschen am Lebensende übereinstimmen…