Anke Krieft berät in Erlangen SeniorInnen. Foto: Cindric

Anke Krieft berät in Erlangen SeniorInnen. Foto: Cindric

Das Erlanger Amt für Soziales, Arbeit und Wohnen, Abteilung Seniorenamt, erfährt derzeit eine personelle Umstrukturierung. Dr. Eileen Goller von der Trägerunabhängigen Pflegeberatung ist noch bis November 2015 in Mutterschutz, wie aus einer Meldung auf der Homepage der Behörde hervorgeht. Nach der langen, noch andauernden Erkrankung von Amtsleiter Ansgar Gößmann fehlt der Abteilung damit schon die zweite Führungsperson. Anke Krieft ist jetzt die Vertretung von Eileen Goller – und eine gefragte Frau in der Altenhilfe, wie sich beim Besuch von sechs+sechzig zeigt.
Die freundliche 43-jährige Anke Krieft empfängt uns in ihrem nüchtern eingerichteten Büro im Erlanger Rathaus. Die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin ist hörbar keine Fränkin. Sie kommt aus Ost-Westfalen-Lippe, »genauer aus Harsewinkel an der Ems«, erzählt sie. Die 24.000 Einwohner zählende Stadt im Kreis Gütersloh ist heute durch den Landmaschinenhersteller Claas bekannt. So bekannt, dass sie den offiziellen Namenszusatz »Die Mähdrescherstadt« führt. Anke Krieft berichtet, dass sie Maschinen der Firma auch auf fränkischen Feldern entdeckt hat. Sie hatte früher selbst beim Maschinenhersteller gearbeitet, bis sie umsattelte und am Uniklinikum in Erlangen ihren Abschluss als Krankenschwester machte. Ihr Mann war zu dieser Zeit bereits lange bei Siemens in Erlangen tätig. So fiel es ihr leicht, die Beziehung umzuziehen. Zudem wollten sie hier ein Haus bauen.
Mit einer Weiterbildung als Sozial- und Pflegeberaterin in der Altenhilfe und als Qualitätsmanagerin in der Tasche kam sie schließlich in die trägerunabhängige Pflegeberatung der Stadt Erlangen. »Wir helfen Bürgerinnen und Bürgern neutral und kostenlos« beschreibt sie ihr Arbeitsgebiet, »indem wir versuchen, auf die individuelle Situation der Hilfesuchenden einzugehen.« Dies umfasst die Auskunft zu allen Fragen rund um die Pflege und zur Pflegeversicherung, etwa die Voraussetzungen für die Antragstellung der Pflegestufe, Leistungen und Finanzierung. Ebenso wie die Information über das Pflege- und Dienstleistungsangebot in Erlangen und zu speziellen Pflegeleistungen wie Demenzversorgung, außerklinische Intensivpflege, palliative Versorgungsformen oder 24-Stunden-Pflege.
Dies heißt zum Beispiel, dass »ich einer völlig verzweifelten Frau helfen konnte, innerhalb kurzer Zeit einen Platz in einem Pflegeheim für ihre Angehörige zu finden«, berichtet Krieft. Aber auch bei noch schwierigeren Hilferufen, wie etwa, wenn der Eindruck bei einem Angehörigen entsteht, ein Arzt wolle die Mutter in ein Altenheim einweisen, versucht sie zu vermitteln. Sie kann die oft verzweifelten Angehörigen darüber aufklären, dass diese Entscheidung in der Regel bei der betroffenen Person und ihnen liegt, nicht aber beim Arzt. Zwar darf Anke Krieft keine Rechtsberatung durchführen und keine Entscheidungen über Pflegebedürftigkeit treffen. »Aber durch gezielte Hinweise kann man gute und sachgerechte Entscheidungen befördern und auch hie und da den enormen Druck herausnehmen, unter dem Angehörige von Pflegebedürftigen stehen«, erläutert sie. Dies gilt vor allem für den Dschungel von Anträgen, wenn es um Pflegestufen geht: Ob es eine Chance auf Pflegestufe null, eins oder zwei gibt, kann man mit ihr abklären. »Mir hilft oft, wenn ich mich vor Ort bei der betroffenen Person umschauen und mit ihr sprechen kann.«
Anke Krieft ist zwar erst seit etwas mehr als zwei Monaten in ihrer Dienstelle, hat aber viele Anfragen zu beantworten und blickt auf eine sehr gute Frequenz. Was sie sich wünscht für die kommenden Monate? »Ich würde mich freuen«, meint sie nach kurzem Nachdenken, »wenn möglichst viele Ratsuchende mit meiner Arbeit zufrieden sind und andere ermutigt werden, zu uns zu kommen.« Schiebt dann nach, dass sie fast nur mit Deutschen zu tun habe und sie sich wünsche, dass auch Migrantinnen und Migranten zu ihr kommen – schließlich entspräche dies ja der multikulturellen Realität von Erlangen.