Dr. Markus Gosch leitet die Geratrie am Nürnberger Klinikum. Foto: Michael Matejka

Dr. Markus Gosch leitet die Geratrie am Nürnberger Klinikum. Foto: Michael Matejka

Neubeginn im Theo-Schöller-Haus: Der Tiroler Markus Gosch ist seit Anfang Juli Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Klinikum
Nürnberg. Damit ist die wichtige Schnittstelle zwischen den verschiedenen Fachkliniken mit einem Experten besetzt, der sein
Tätigkeitsfeld als »sehr spannende Medizin« bezeichnet.
Der 48-jährige Geriater empfindet Nürnberg als »den Nabel der Welt«, wenn es um sein Fachgebiet geht. Das Klinikum verfüge
nicht nur über sehr lange Erfahrung bei der Versorgung von betagten Patienten, die häufig ein Bündel von gesundheitlichen
Problemen haben. Sondern in der Altersmedizin werde an der Prof.-Ernst-Nathan-Straße schon seit langem Pionierarbeit geleistet.
Darauf möchte Gosch aufbauen.
Vor jedem operativen Eingriff müsse die Frage gestellt werden, welche Belastungen für den älteren Patienten damit
einhergehen und wie er von dem Eingriff profitiert, sagt Gosch. Damit würden die allgemein gültigen Leitlinien zur Behandlung von
Patienten im Klinikum teilweise außer Kraft gesetzt. »Weil sie hier nicht passen«, begündet Gosch: Die individuellen Bedürfnisse
des hochbetagten, oft an mehreren Leiden erkrankten Menschen, seien eben andere. Im Team werde dann besprochen, wie
die optimale Versorgung des einzelnen Patienten aussehen könnte. In einem geriatrischen Untersuchungsumfeld werden
die Rahmenbedingungen für eine wirksame Behandlung abgesteckt. Schließlich verändere sich die Wahrnehmung eines
Menschen mit dem Alter, erläutert Gosch: »Viele ältere Menschen fühlen sich nicht krank, auch wenn sie gewisse gesundheitliche
Einschränkungen haben.« Da die Bedürfnisse im Alter im Vergleich zu einem jungen Menschen meistens geringer sind, steigt die
Akzeptanz von körperlichen Beschwerden wie beispielsweise einer geringeren Beweglichkeit.
»75 Prozent der Menschen brauchen keine Ängste vor dem Alter zu haben«, ist Gosch überzeugt, sie hätten gute Chancen,
fit und selbstständig bis ins hohe Alter zu leben. Das Durchschnittsalter der Patienten in der Nürnberger Geriatrischen Klinik liege
bei 80 bis 85 Jahren. Gosch verwahrt sich dagegen, dass angesichts des demografischen Wandels »eine ganze Generation zum
Problemfall erklärt wird«. Die Langlebigkeit sei »eine Erfolgsgeschichte der nationalen Gesundheitspolitik«, tritt der Experte für ein
positives Altenbild ein.
Kontakte nach Salzburg
Künftig wird der neue Chefarzt zwei große Aufgaben haben: Zum einen die vorbeugende Behandlung von Patienten mit
Altersbeschwerden und akuten Krankheiten. Zum anderen ist er als Chefarzt stark in die wissenschaftliche Debatte über die
Auswirkungen einer alternden Bevölkerung eingebunden. Der Österreicher Gosch will deswegen die Kontakte zur Universität
Salzburg stärken und geht bewusst einen anderen Weg als sein Vorgänger Cornel Sieber.
Mit der Berufung von Markus Gosch setzt das Nürnberger Klinikum einen neuen Akzent in der Altersmedizin. Unter seiner Ägide
soll sich der Schwerpunkt Geriatrie noch stärker daran orientieren, alten Menschen möglichst lange ein eigenständiges Leben zu
ermöglichen. Dazu trägt der Präventivbereich mit Sturzprophylaxe und Kontrolle von Multimedikamentation ebenso bei wie das
Zusammenwirken der einzelnen Abteilungen unter dem großen Dach des Klinikums. Die beiden Stationen für akute Notfälle an den
Standorten Nord und Süd ergänzen die Arbeit der Geriatrie.
Obwohl erst wenige Wochen in Nürnberg, fühlt sich der gebürtige Tiroler Gosch schon sehr wohl hier. Nicht nur die Mentalität
der beiden Regionen ähnele sich, so Gosch, auch gebe es etliche Anknüpfungspunkte zwischen seiner Heimat und Franken.
So fiebert der Fußballfan derzeit noch mit seinem Lieblingsclub aus Studienzeiten mit, dem FC Innsbruck. Dieser kämpft ebenso
wie der 1. FC Nürnberg um den Wiederaufstieg in die erste Liga. Dort, wo sich die Nürnberger Geriatrische Klinik nach Goschs
Einschätzung schon längst befindet.
Petra Nossek-Bock
Foto: Michael Matejka