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Der Freiwilligendienst ist sehr prägend. Denn man wird selbst aktiv, übernimmt Verantwortung und hilft bedürftigen Menschen. Foto: Dirk Exner

Warum macht es Sinn, einen Freiwilligendienst zu absolvieren? Mit 34 Jahren gehört Dirk Exner, der seinen Dienst in einer Krankenhaus-Pressestelle verrichtet, nicht zur typischen Zielgruppe, die den Freiwilligendienst leistet. Welche Erfahrungen er damit macht und wie er über die Zeit im Freiwilligendienst denkt, das schildert er in einem persönlichen Bericht.
Natürlich könnte man meinen, ich sei genau der Richtige, der diese Frage beantworten kann. Nach 18 Monaten als Bundesfreiwilliger im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel, einem Krankenhaus der Regelversorgung, welches über 283 Planbetten verfügt und rund 670 Mitarbeiter beschäftigt, habe ich anscheinend genug Erfahrung gesammelt, um angenommen zu werden. Warum habe ich mich aber ausgerechnet hier beworben und wie denke ich heute über diese Zeit? Mit 34 Jahren gehöre ich nämlich nicht einmal zur typischen Zielgruppe der unter 27-Jährigen, die zwischen Schule und Ausbildung einen Freiwilligendienst ableisten und damit vor allem Zeit überbrücken will, bis es richtig losgeht.
Mein Motiv, selbst aktiv zu werden, war: Menschen helfen zu wollen, vor allem in sozialen Einrichtungen. Im Krankenhaus ist das mögliche Einsatzspektrum dafür sehr vielfältig. Man kann hier auch in Bereichen ohne direkten Patientenkontakt arbeiten und gleichzeitig seine Chance nutzen, hinter die Kulissen eines zukunftsträchtigen und spannenden Arbeitsbereichs zu schauen.
Ich arbeite in der Verwaltung. Als Sozialwissenschaftler habe ich nach meinem Studium nämlich keinen Arbeitsplatz gefunden. Als sogenannter „Sowi“ muss man auf dem Arbeitsmarkt seine eigene Nische finden. Meine sollte fortan der Gesundheitssektor bzw. das Krankenhaus sein. Mit einem Bundesfreiwilligendienst und einer begleitenden Weiterbildung wollte ich mich für meinen künftigen Arbeitgeber fit machen.
Seitdem arbeite ich im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, durchforste auf der Suche nach Meldungen über das Klinikum die regionale Tagespresse und beteilige mich an der Organisation klinikinterner Veranstaltungen. Zu meinem Tagesgeschäft gehören aber auch vereinzelte Botengänge und das Zusammentragen der Daten von Evaluationsbögen am Quartalsende. Den Mitarbeitern des Klinikums bin ich wahrscheinlich besser bekannt als derjenige, der Tipps für die nächste Mitarbeiterzeitung schreibt oder Informationen für Artikel in der regionalen Presse zusammenträgt.
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Als Mitarbeiter der Pressestelle stellt Dirk Exner Informationen über das Klinikum zusammen und gibt sie der regionalen Presse weiter. Foto: Dirk Exner

Ich bin nicht der einzige Bundesfreiwillige hier im Krankenhaus. Ähnlich sieht es bei Björn aus. Der gelernte Maler und Lackierer arbeitet heute in der Küche des Klinikums, die täglich 1500 Essens-Portionen zubereitet. Damit beliefert er nicht nur die Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses, sondern auch 600 Kinder der städtischen Kitas, die von hier ihre tägliche Mittagsmahlzeit erhalten. Björn nutzt den Freiwilligendienst für eine kreative Auszeit, könnte man sagen. „Mir hat damals schon die Arbeit in der Küche Spaß gemacht“, sagt er. So lernt er hier alle Bereiche einer Großküche kennen. Da steht er dann auch schon mal morgens ab 9 Uhr in der Küche und schnippelt das Gemüse für das Mittagessen.
Silas, Cedric, Anton, David-Mickey und Marvin hingegen gehören zur jüngeren Generation der Bufdis im Klinikum. Sie arbeiten hier im Transportdienst. Für sie hat die Neugier überwogen, den Krankenhausbetrieb kennen zu lernen, ohne selbst Patient zu sein. Im Fall von Marvin, der eine Ausbildung als Industriekaufmann anstrebt, kam noch hinzu, „dass das Krankenhaus in meiner unmittelbaren Nachbarschaft liegt“. So hätte schon früh für ihn festgestanden, wo er seinen Freiwilligendienst ableisten wolle.
Im Krankenhausalltag könnten sie in ihren weißen Outfits glatt auch als Pflegepersonal durchgehen, wenn sie durch die Flure des dreigeschossigen Krankenhauses eilen. Sie arbeiten für den Transportdienst und sorgen im Schichtdienst dafür, dass bettlägrige oder gehbehinderte Patienten rechtzeitig aus ihren Stationszimmern abgeholt werden, um pünktlich zu Untersuchungen in der Radiologie, beim EKG oder in der Neurologie zu erscheinen. „Das kann dann auch schon mal morgens während der Frühschicht ein bisschen hektischer werden“, berichtet Marvin, „denn dann müssen wir die Patienten für ihre anstehenden Operationen zu den OP-Schleusen bringen“.
An ihrer Arbeit und an den Touren durch die Krankenhausflure schätzen alle fünf – da sind sie sich einig – den gelegentlichen Plausch mit den Patienten. Einfach genial findet der hochgewachsene Anton, dass er hier die Gelegenheit bekommt, den Rettungsdienst hautnah mitzuerleben. Weil in Wolfenbüttel der Transportdienst zum Pflegebereich zählt, nehmen auch die sechs Transportler sowie die andere Belegschaft regelmäßig an den verschiedenen Mitarbeiterschulungen teil, wie etwa zum Thema Hygiene im Krankenhaus.
Nun, auch wenn sich für den Einzelnen nicht alle persönlichen Hoffnungen und Wünsche im Zusammenhang mit dem Bundesfreiwilligendienst erfüllen mögen, die Zeit ist doch eine prägende Erfahrung, in der man in die Berufswelt reinschnuppert und Erfahrungen in einzelnen Berufsfeldern sammelt. Vor allem tut man eines: Man übernimmt Verantwortung für das eigene Tun. Ob und wie sich diese Erfahrung auszahlt, ist jedem Einzelnen überlassen.