Hello All, Zwanzig Studenten überwiegend aus Südasien hören einem altgedienten Manager zu. Die Jungen wollen werden was der Alte mal war: Vorgesetzter in einem internationalem Unternehmen. Die Zutaten für das multikulturelle Wissensmenu bestehen aus jugendlichem Optimismus, gewürzt mit frischer Neugierde, gut abgehangener Erfahrung, sanft geköchelt auf einem Potpourri aus Theorien, serviert auf der Projektionsfläche in einem Hörsaal. Diese Bildungsküche steht im International Management Institut der Technischen Hochschule Nürnberg. Der Alte bin ich. Seit letzter Woche habe ich ein neues Hobby: Vorlesung während des Sommersemesters zum Thema „Leadership“, also Führung in einer globalisierten Geschäftswelt. Nach zwei weitgehend kontemplativ genossenen Jahren im Ruhestand erlebe ich den Lehrauftrag als erfrischende, doch auch als ungewohnte neue geistige Anstrengung. Richtig Arbeit, ein Dutzend Fachbücher sichten, Hunderte Charts und den Text dazu ent- und wieder verwerfen, korrigieren, umsortieren, kürzen und die englischen Fachbegriffe einstudieren. Zur Vorbereitung sitze ich, wie vor 40 Jahren, Woche für Woche wieder in einer Universitätsbibliothek, und merke im Eifer bisweilen gar nicht, wie viel älter als meine Umsitzenden ich bin. Ich solle meine Berufserfahrung mittels der heute gängigen Theorien zum Management aufbereiten und untermauern, bat die Hochschulleitung. Gerne doch! Nun merke ich, es wäre gar nicht so unpassend gewesen, mich mit solchen Theorien und Erfahrungen anderer schon mal vor dreißig Jahren beschäftigt zu haben; ich hatte in den letzten Wochen durchaus ein spätes „Aha-Erlebnis“. Damals, mit einer 50 plus- Stundenwoche und intensivem Reisepensum hatte ich weder Muse noch die Motivation sowas zu lesen. Eine Vorlesung zu dem Beruf Manager hatte ich auch nie gehört – ich war da hineingewachsen und aufgestiegen, mit einer Mischung aus Glück und Geschick; mit Erfolgen und zahlreichen Fehlern und Krisen. Vielleicht dienen gerade letztere nun als wertvolles Lehrmaterial für meine emsigen Zuhörer aus China, Iran, Indonesien, Indien – ja, ein paar deutsche Studenten, als Minderheit, sind auch darunter. Die Weltmärkte schauen kaum noch auf die Pässe , dafür um so mehr auf Motivation und Können. Zum letzteren kann, darf – muss ich betonen –beitragen. Ich glaube, ich mag mein neues Hobby.
Ihr Global Oldie