Seit einiger Zeit sammelt mein Mann für unsere jetzt 17-jährige Enkeltochter 1-Cent-Münzen, damit sie zu ihrer Hochzeit die Brautschuhe mit den vielen Münzen bezahlen kann. Das sei eine gute alte Tradition, um zu zeigen, dass die Braut fleißig und sparsam sei, je teurer die Schuhe, desto besser, sagt mein Mann
Inzwschen gibt bei uns mehrere (sehr schwere) Behälter mit 1-Cent-Münzen, 2-Cent oder 5-Cent zu sammeln, lehnt mein Mann ab, schließlich heißt das Sprichwort (modernisiert): Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert.
Dieser Tradition zu folgen, ist ja nicht unbedingt verkehrt. Aber was passiert im Geld-Umlauf, wenn es viele Opas wie meinen Mann gibt? Schließlich sind auch die Schuhe teuerer geworden und man wird wohl 12.000 bis 15.000, vielleicht noch mehr Cent-Stücke brauchen, die dem Kreislauf entzogen werden, um dann beim Schuhkauf massenweise dem Geldmarkt wieder zugeführt zu werden, immer vorausgesetzt, es gibt noch Schuhläden, die die 1-Cent-Sammlung als Zahlungsmittel akzeptieren.
Als mein Mann davon hörte, dass die EU die 1- und 2-Cent-Stücke ganz abschaffen wolle, weil der Materialwert der Geldstücke den Nennwert übersteigt, fürchtete er um sein Brautschuhe-Projekt. Was aber nicht so dramatisch wäre.
Denn wenn unsere Enkeltochter also gar nicht heiraten möchte oder es ablehnt, ihre Brautschuhe mit 1-Cent-Münzen zu bezahlen, dann bliebe ja noch die Möglichkeit, die angesammelten Münzen einfach einzuschmelzen?