Steffen Kreischer berät das Ehepaar Hofmann zu einer hochgebauten Geschirrspülmaschine. Foto: Mile Cindric

Steffen Kreischer berät das Ehepaar Hofmann zu einer hochgebauten Geschirrspülmaschine. Foto: Mile Cindric

Kaum ein häuslicher Raum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark verändert wie die Küche. Aus dem kleinen Funktionsraum ist ein Raum geworden, den Architekten gern großzügig planen und oft in den Mittelpunkt familiären Lebens rücken. Die Wohnküche von einst erlebt also eine Renaissance – sie lässt sich heute sogar speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen anpassen.
Zwei bis drei Küchen kauft sich der Deutsche in seinem Leben – die erste mit der ersten eigenen Wohnung, die zweite bei Familiengründung und die dritte kommt dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Dabei darf es dann in punkto Ausstattung gerne etwas mehr sein. 5.500 Euro geben jüngere Kunden eines Nürnberger Fachhändler aus, ältere etwa 8.500 Euro. Mitunter kann die Küche aber auch den Wert eines Mittelklasseautos annehmen. Dafür bekommt die Kundschaft heute allerdings auch deutlich mehr fürs Geld als früher.
»Eine Küche sollte sich mit dem Menschen entwickeln, und das kann sie inzwischen auch«, sagt Steffen Kreischer, Leiter des Nürnberger MegaStores der KüchenQuelle. Doch wer braucht überhaupt was? »Eine Bedarfsanalyse ist das A und O einer guten Küchenplanung«, sagt Kreischer. Diese Analyse leiste ein guter Anbieter, indem ein Berater zum Kunden nach Hause kommt, um vor Ort die Einrichtung zu planen. Schließlich geht es um viele Details, die alle zu berücksichtigen den Amateur überfordert. Wer zum Beispiel Eckschränke hat, musste sich bisher – auch mit Drehkarussell – oft verrenken, um den richtigen Topf aus der Ecke herauszuklauben. Neuartige Schrankelemente hingegen lassen sich komplett herausziehen und ebenso einfach wieder im Schrank versenken. Denn auch das ist ein wichtiger Punkt: Leicht muss es gehen. So haben inzwischen zahlreiche Küchenanbieter den schönen, aber oft nur mit einigem Kraftaufwand zugänglichen Apothekerschrank in einen Schrank mit mehreren Einzelauszügen verwandelt.
»Komfort kann viele Aspekte haben«, weiß Kreischer. Zu den wichtigsten Veränderungen der vergangenen Jahre gehört zum Beispiel, dass die Arbeiten immer rückenfreundlicher verrichtet werden können. Dass sich der Backofen auf Brusthöhe befindet, ist inzwischen fast schon Standard. »Auch der hoch eingebaute Geschirrspüler ist sehr angesagt«, weiß der Experte.
Ein heikler Punkt im Alter sind auch Oberschränke. Wenn die Kraft nachlässt oder sich die Arme schwerer heben lassen, ma-chen sie die Küchenbenutzung zur regelrechten Tortur. Der Arbeitskreis »Die Moderne Küche« (AMK), ein Zusammenschluss aus über 120 Unternehmen der Branche, zeigt jedoch in einer Studie, dass Hochschränke für vier von fünf Küchenkäufern wichtig sind, weil sie eben viel Stauraum bieten. »Deshalb gibt es sie jetzt auch mit Touchsensor, bei dessen Berührung sich die Türen elektrisch öffnen lassen – ähnlich einer Jalousie«, erklärt Kreischer. Zusätzlich kann man sich auch bewegliche Oberschränke einbauen lassen: Diese werden per Fernbedienung abgesenkt. Nachdem man das Gewünschte entnommen oder eingeräumt hat, fährt der Schrank wieder in die Ausgangsstellung zurück.
Flexibilität kostet mehr
Mindestens ebenso wichtig ist diese Möglichkeit bei der Arbeitsfläche, die sich um bis zu 20 Zentimeter absenken lässt. Sie ist also nicht nur eine gute Lösung, wenn sich Menschen von unterschiedlicher Körpergröße in der Küche betätigen, sondern auch für Menschen mit Handicap. Das hat allerdings seinen Preis: Arbeitsplatte und Oberschränke verstellen zu können, kostet laut Kreischer rund 5.000 Euro.
Idealerweise befindet sich die Arbeitsfläche 10 bis 15 Zentimeter unterhalb der Ellbogenhöhe, wie Wissenschaftler der TU Darmstadt herausgefunden haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es insgesamt sinnvoll, das Kochfeld abzusenken, um beim Rühren noch eine gesunde Arbeitshaltung einnehmen zu können, empfiehlt das AMK. Denn der Topfrand bildet die eigentliche Arbeitshöhe. Anders ist es bei der Spüle: Hier liegt die Arbeitsebene auf dem Spülboden, der deshalb nur zehn Zentimeter unter dem Ellbogen liegen sollte.
Doch nicht nur in punkto Einrichtung hat sich viel getan, sondern auch bei der technischen Ausstattung. Frank Hüther, Ge-schäftsführer des AMK, glaubt, dass die neue Geräte-Generation wesentlich einfacher zu bedienen ist als noch vor zehn Jahren. »Bei der Entwicklung der Küchengeräte haben die Hersteller zunehmend die ältere Bevölkerung im Blick. Die Geräte sind selbsterklärend, haben große Displays und sind in deutscher Sprache beschriftet.«
Ein großes Thema ist im Hinblick auf die dritte und meist letzte Küche im Leben die Induktionskochtechnik. »Ihr gehört die Zu-kunft«, sagt Hüther. Für Senioren ist sie gerade unter dem Sicherheitsaspekt sehr bedeutsam. »Damit kann nichts anbrennen oder gar brennen. Es ist nicht so gefährlich wie eine offene Hitzequelle, die die Wärme direkt abstrahlt.« Auch für Starkoch Alfons Schuhbeck gibt es nichts Besseres. In einem Interview brachte es der 64-Jährige kürzlich so auf den Punkt: »Fürs Auge ist es wunderschön, es gibt keine Hitzeabstrahlung mehr. Wenn Sie den Topf wegnehmen, haben Sie außerdem keinen Stromverbrauch mehr. Und es ist wahnsinnig bedienungsfreundlich, auch für ältere Herrschaften. Ich bin ja technisch eine Pfeife, aber das kapiert man in zehn Sekunden.«
Anja Kummerow