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Pflegekammern – der Weisheit letzter Schluss?

England hat sie, die Skandinavier sowieso und auch die Südlände der EU Italien oder Spanien: Die Rede ist von Pflegekammern. Sie sollen als Selbstverwalltungsorgane die Qualität der Pflege festlegen und kontrollieren oder Strategien zur Personalfindung erarbeiten - ähnlich, wie die Ärztekammern. In Deutschland aber hakt es und sogar Markus Söder (CSU) scheiterte am Widerstand der FDP. Aber bringen es die Kammern oder sind sie nur eine bürokratische Einrichtung mehr im Pflegedschungel?

Pflegepersonal braucht auch eine gesellschaftliche Vertretung. Foto: Fotolia

Als erstes Land in der Bundesreublik hat Schleswig Holstein beschlossen, so genannte Pflegekammern einzuführen. Das sind Organe der Selbstverwaltung, die versuchen die Interessen der Pflegekräfte, die in der Regel Angestellte sind, zu definieren, Standards im Beruf festzuglegen, aber auch Qualitätsstandards zu kontrollieren oder aber über die Rekrutierung von Personal nachzudenken und Vorschläge zu erarbeiten. Das alles sollte – ähnlich wie bei der Ärztekammer – unter dem Dach einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ablaufen. Der Vorteil: Bislang definieren Politiker im Bund, Land und in den Kommunen, was die Pfleger/innen tun sollen. Mit einer Pflegekammer käme die Berufsgruppe selbst zum Zuge, ihre Standards und politischen Forderungen definieren zu können. Mit anderen Worten: Der oder die Pflegekammern sollten bestimmte Aufgaben, die bislang der Staat wahrgenommen hat, etwas beim berufsspezifischen Wissen, übertragen werden. Dazu gehört beispsielsweise die Berufsaufsicht, die Berufsordnung oder die Registrierung der Pfleger/innen. Bei ihrem Treiben unterläg die Kammer unterliegt der Rechtsaufsicht einer Aufsichtsbehörde. Die Angehörigen des entsprechenden Berufes wären dann Pflichtmitglieder in der Kammer. Und was kann man schon gegen eine standadisierte, bessere Ausbildung, die auch noch kontrolliert wird sagen?
Hält man sich vor Augen, was in der Pflege noch so alles auf die Republik zukommen, wie  es etwa der “Pflegereport 2030” der Bertelsmann-Stiftung auflistete, so erscheint eine solche Organisation dringend notwendig. Aber es gibt Kritiker, wie etwa Claus Fussek, der darauf verweist, dass Pflegekammern nur das nachvollziehen würden, was der Poltik sowieso schon bekannt sei: zum Beispiel, dass man Pflegekräfte anständig zu bezahlen seien. Aber auch die Zwangsmitgliedschaft der Pflegekräfte wird als ein Hindernissangesehen, obwohl in Bremen und im Saarland die Pflegenden bereits Pflichtmitglieder der Arbeitskammern sind. Und es wird auch immer wieder gegen Pflekammern eingewandt, sie seien nur für so genannte Freie Berufe geschaffen, die meisten Pflegekräfte heutzutage seien aber Angestellte.
Wie immer man nun zu solchen Kammern stehen mag – ob man sie für dringend notwendig oder für Brokratiemonster hält – Deutschland würde damit eine Entwicklung in Europa nachvollziehen. Denn die berufliche Selbstverwaltung der Pflege wird zum Beispiel in Großbritanniene seit 1918 zurück praktiziert, aber auch in den letzten zehn Jahren sind Kammern neu entstanden (Portugal 1998; Slowakei 2002).
In den Pflegeberufen arbeiten weit über 80% Frauen. Ihnen wäre eine Aufwertung ihres Berufs in finanzieller Hinsicht, bei der Ausbildung  und bei der gesellschaftlichen Anerennung mehr als nur zu wünschen Oder, was meinen Sie dazu?
 

Eine Antwort

  1. Das es mehr Qualitätsstandards in der Pflege braucht, ist klar. Jeder alte Mensch sollte ein würdiges Leben führen können, egal wie eingeschränkt er ist. Aber neben besseren Qualitätsstandards und besseren Arbeitsbedingungen, muss ein Umdenken bei Politikern und in der Gesellschaft passieren, das gute Pflege jeden betrifft und ein großes Zukunftsthema ist. Hier ein sehr lesenswertes Interview zu dem Thema: http://www.finanzen.de/magazin/interview_profgoerres

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