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„ikigai“ – was wir von den Okinawaer lernen können

Auf einer Steinstele außerhalb der Stadt Ogimi auf Okinawa ist folgender kesser Spruch eingraviert: „Mit Siebzig bist du noch wie ein Kind; mit Achtzig wie eine junge Frau oder wie ein junger Mann; Und wenn dich mit Neunzig jemand vom Himmel aus einlädt rüber zukommen, dann sag’ ihm, lass’ mich in Ruhe und schau’ wieder vorbei wenn ich Hundert bin“. Gut 640 Km südlich von den japanischen Hauptinseln in subtropischen türkisfarbenen Gestaden gelegen, hat es Okinawa zu Weltruhm gebracht als die Insel der Hundertjährigen. Mit der höchsten amtlich belegten Lebenserwartung . Je die Hälfte aller Männer erreichen dort das 78. von den Frauen sogar das 86 Lebensjahr.
Oft bei erstaunlicher Gesundheit: Laut zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen treten in Okinawa Osteoporose, Altersdemenz, Hüftfrakturen, arterielle und koronare Erkranken wesentlich seltener auf als in US-amerikanischen Vergleichsgruppen. Vererbung? Wohl kaum. Denn es ist ebenfalls wissenschaftlich belegt, dass jene Okinawaer, die nach Brasilien oder USA ausgewandert waren, sich schnell an die lokalen Erkrankungsprofile und Lebenserwartung der neuen Heimat angepasst haben. Liegt es am Klima? Auch in Europa beobachtet man, dass mediterrane Bevölkerungen höhere Lebenserwartungen genießen als Nordeuropäer – trotz „höheren Lebensstandards“ im Norden. „Der Mensch ist was er isst“ wird Ludwig Feuerbach als Zitat angehängt. Demnach läge die überragende Gesundheit und Lebenserwartung auf Okinawa an deren tüchtigen Konsum von Seefisch, Meeresfrüchten, Algen – oft auch roh – , Tofu, Gemüse, Reis bei gleichzeitigem Verzicht auf rotes Fleisch, tierische Fette und Süßigkeiten. Schnaps und Reiswein trinken sie.
Jedoch medizinisch und ökotrophologisch weniger gebildete Okinawaer geben eine andere Erklärung. Eine, die mir besonders gut gefällt; auch, weil sie mich bei Nachahmungsversuchen vor dem vielen rohen Fischessen retten würde. Es läge am besonderen „ikigai“ der Okinawaer, deren Lebensgefühl. „ikigai“ heißt soviel wie „positiver Sinn des Lebens“, oder, wie es die Lokalen nennen „den Grund, jeden morgen aufzustehen“, und zwar gerne. Weil ihnen das Leben Spaß macht, weil jeder neue Tag für die ikigai- Inspirierten wertvoll ist. Um die Felder zu bestellen, das Meer zu ernten, dem Kunsthandwerk nachzugehen, mit der Familie zusammen zu sein und auch noch mit Hundert Sex zu genießen (Letzteres sagen nur wenige, aber immerhin). Dazu passt ein Bericht, der besagt, es gäbe im überlieferten Okinawa-Japanisch keinen angestammten Begriff für „Ruhestand“ – was mich nun wieder aus meiner Ruhe reißt und an den Spruch erinnert „wer rastet, der rostet“. Allmächd, da hatte ich mich auf den Ruhestand gefreut – und nun kommen mir da die diese Gesundheits- und Lebenserwartungsweltmeister und sagen: grundfalsch packst du das an!. Also, ab sofort mein ikigai hier und jetzt aufspüren, unterstützt mit dezenter Räucherforelle „aus der Fränkischen“ und Tofu vom vietnamesischen Asienladen um die Ecke und , was war da noch ach, ja Verzicht auf Ruhestand.
Also Freunde, noch ist Zeit für die guten Vorsätze 2013: Finden Sie Ihren „ikigai“ – und werden Sie glücklich pumperl gesund und steinalt!
Ihr Global Oldie

2 Antworten

  1. Schon mein Vater sagte, die Lebensfreude ist das A und O. Er ist immerhin 90 jJahre alt geworden. Schön, dass diese Lebenseinstellung in Japan kultiviert wurde. Das wäre für uns Deutsche auch eine Alternative zur German Angst oder?

  2. miteinander, lebensfreude, genau hier hakt es, an der inneren einstellung sich gut zu fühlen, durch sein da sein, etwas geben (und wenn es vögel füttern im winter ist). sonnenschein macht schon viel aus, die menschen sind gelöster, fröhlicher. regen, nebel und schon gibt es aggressionen. jeder andere ist schuld, daß man sich nicht gut fühlt, es wundert mich, daß oft solche menschen bei uns sehr alt werden.

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