Hello all,
wer bei Mitch Albom’s autobiographischen Kurzroman „Tuesday with Morrie“, (1997, Random House) „Dienstag bei Morrie“ (Goldmann Verlag) keinen feuchten Augen bekommt, sollte sich auf Autismusverdacht untersuchen lassen. Ich fühlte mich nach der Lektüre richtig besser, erleichtert, fröhlicher. Ehrlich. Trocken und schnörkelfrei erzählt Albom, wie er als Mittdreißiger, ein vom Erfolg, Ehrgeiz und Terminen getriebener Sportjournalist aus Detroit, seinen ehemaligen Professor Morrie Schwartz wieder trifft. Der Wirbelwind findet einen ruhenden Gegenpol im sehr langsam gewordenen Morrie Schwartz; Denn jener war unheilbar an ALS erkrankt. Mit Alboms Hilfe versuchte er, öffentlich und sinnstiftend zu sterben. Was aufs Trefflichste gelang: Drei Jahre war das Buch in den Top Ten einiger US Bestsellerlisten. Ich selbst habe noch nie so dicht gewebt, lebensbejahende und glaubwürdige Aphorismen gelesen.
Innerhalb vier Stunden hatte ich das Buch inhaliert, des öfteren geschnieft, aber auch lachen können – und danach, naja, ich würde schon sagen, einiges zum Thema „was mache ich eigentlich mit meinem Leben“ deutlicher gesehen.

Genauer besehen ist es eine meiner so geliebten „Ying – Yang“ Geschichten, in denen Gegensätze aufeinander stoßen und sich ergänzen: In „Tuesdays with Morrie“ trifft harte amerikanische Automobilmetropolenkultur auf den Feingeist eines Intellektuellen von der beschaulichen Ostküste, Alter fordert Jungend heraus; vermengen sich Hoffnung mit Unerbittlichem.

Der unterschwelligen Angst eines Einzelnen vor der eigenen Endlichkeit setzt Morrie – frei übersetzt – entgegen: „Der Tod beendet ein Leben, aber nicht eine Beziehung“…. „Solange wir uns gegenseitig lieben und die Erinnerung an diese Liebe aufrechterhalten, können wir sterben, ohne wirklich fort gegangen zu sein“…..„du bist keine einzelne Welle, sondern Teil des Ozeans“. …

Der Ozean als Metapher für eine sich erinnernde Menschheit: das hat mir besonders imponiert.Da fällt mir ein: es ist der Ozean, der unsere Erde zum einzigartigen blauen Planeten macht. Weltumspannend, wie die Menschheit… Tolle Bilder, tolle Geschichte.
Ihr Global Oldie

P.S. Nicht vergessen: Ab in die Bücherei – Sie werden es nicht bereuen.