Manche Ältere brauchen nur eine Unterstützung, um in den eigenen vier Wänden leben zu können.

»Rentner (mit Pkw) hilft Senioren beim Putzen, Einkaufen…«. Immer öfter offerieren Privatleute in Anzeigen Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben. Und immer mehr Senioren sind gezwungen, auf diese Unterstützung zurückzugreifen, denn die Zeiten, in denen sich ausschließlich die Angehörigen um alternde Familienmitglieder gekümmert haben, sind vorbei. Eine steigende Zahl von Bundesfreiwilligen (»Bufdis«) – sie ersetzen seit Abschaffung der Wehrpflicht die Zivildienstleistenden – und auch die vielen ehrenamtlichen Helfer im Sozialbereich knüpfen inzwischen kräftig mit am sozialen Versorgungsnetz. Der Markt ist in Bewegung, neue Anbieter und Modelle stehen zur Auswahl.
»Service-Wohnen« nennt sich etwa eine Alternative zum Betreuten Wohnen. Das heißt: Leben in einer privaten Eigentumswohnung, die Teil einer Seniorenwohnanlage ist. Wer dies nutzt, genießt volle Entscheidungsfreiheit, jedoch in einem Umfeld, das größtmögliche Sicherheit bietet, etwa durch eine installierte Notruf-Gegensprechanlage. Der »Seepark Mögeldorf« im Nürnberger Westen bietet so eine neue Wohnform. Leiterin Susanne Goercke betont: »Wir legen großen Wert darauf, dass sich die Bewohner hier nicht wie in einem betreuten Heim fühlen, sondern jederzeit tun und lassen können, was sie möchten.« Doch das Modell hat seinen Preis. Wer dort leben möchte, muss nicht nur den Kaufpreis für Wohnung oder Miete aufbringen, sondern auch eine zusätzliche monatliche Pauschale, die die Kosten für das Serviceangebot abdeckt.
»Leben plus« ist ein Angebot einiger Kreisverbände des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in der Region. Es unterstützt Se-nioren, die in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, auch wenn sie bereits auf Hilfe angewiesen sind. Die Kunden wählen aus mehreren Betreuungspaketen das für sie geeignete aus. Der Erfolg des Projekts blieb vielerorts aus, so auch in Fürth. Katrin Rohm, Leiterin für Pflege und Soziales beim dortigen BRK-Verband, spricht von einem auslaufenden Modell: »Derzeit gibt es etwa zehn Anfragen pro Jahr, und diese kommen hauptsächlich von Kliniken und Reha- Einrichtungen, die Wachbetreuungen von Patienten organisieren wollen. Ein Grund ist, dass viele Hilfsbedürftige erst dann Hilfen in Anspruch nehmen, wenn bereits eine umfangreichere Unterstützung nötig ist.«
Privates Schicksal war Auslöser
Rainer Friedl hat ein ähnliches Konzept wie das des BRK entworfen. Der Fürther hat im April 2011 das Unternehmen SeViWo (Senioren Vital Wohnen) gegründet, das mit den Sozialdienstleistern in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden zusammenarbeitet. Auf die Idee kam er durch sein privates Schicksal. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters musste er sich um eine umfassende Betreuung für seine gehbehinderte Mutter kümmern. »Ich habe sämtliche Angebote gewälzt und festgestellt, dass ›Betreutes Wohnen zu Hause‹ eine tolle Alternative zur Heim-unterbringung ist.« Für seine Mutter war zwar letztlich der Umzug in ein Wohnstift die beste Lösung, aber als er sich Ende 2010 beruflich neu orientieren musste, überlegte er, ob sich die Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht in eine Geschäftsidee umwandeln ließe. Und er wagte damit den Schritt in die Selbständigkeit. Mit SeViWo wolle er jedoch keineswegs den bewährten Anbietern Konkurrenz machen, versichert Friedl, vielmehr wolle er mit ihnen so eng wie möglich kooperieren.
Die IHK Nürnberg kann jedoch keinen Trend hin zu privaten Dienstleistern wie SeViWo erkennen. Yvonne Stolpmann, Referentin für Gründungsförderung und Mittelstandsfinanzierung, erläutert, dass es zwar vereinzelt Gründer mit Ideen rund um den Seniorenmarkt gebe. Doch die würden sich hauptsächlich auf seniorengerechte Produkte konzentrieren und die Vermittlung von Pflegekräften, insbesondere aus dem europäischen Ausland. Auch die Arbeitsagentur kann keine konkreten Aussagen über Hilfsdienste im Seniorenbereich machen. Allem Anschein nach wird die ambulante Versorgung also auch in den nächsten Jahren weitgehend Aufgabe der Sozialdienste sein.
Julia Seuser