Man sollte meinen, nach der Pleite der Lehmann Brothers, die vielen deutschen Rentnern den Schlaf raubte, weil sich ihre Altersvorsorge in Luft aufgelöst hat, sind die Bankberater etwas sensibler für den Umgang mit älteren Kunden geworden. Aber der Beitrag im ZDF-Magazin Frontal 21, der am Dienstag abend ausgestrahlt wurde, hat Zweifel geweckt, ob die Banken etwas daraus gelernt haben.
Gerade Spiegel online hatte sich mit dem Thema Lehmann-Pleite intensiver beschäftigt und geschrieben, dass sich die Bankberater verschiedener Geldinstitute vorwiegend ältere Menschen herausgesucht hatten, um ihnen die schon angeschlagene Geldanlage zu verkaufen. Das Ergebnis ist bekannt. Das Vermögen ist weg und die Provision längst ausgegeben. Nun warten die geschädigten Anleger immer noch auf eine Wiedergutmachung. Aber das kann dauern.
Bei dem Fall, den Frontal 21 schilderte, scheint es sich um eine Eigenmächtigkeit einer Sparkasse zu handeln. Das hoffe ich jedenfalls. Die Bielefelder Sparkasse enthielt einer Kundin, die seit Jahren dort treu und gutgläubig ihr Geld verwalten ließ, die Auszahlung eines Teil des rund 250 000 Euro umfassenden Vermögens vor. Die Dame wollte die Beerdigung eines Angehörigen bezahlen. Statt ihr das Geld auszuzahlen, das ihr nachweislich gehört, wurde ein Verfahren beim Gericht über die Feststellunt der Geschäftsfähigkeit der alten Dame empfohlen.
Mir ist neu, dass Banken sich um die Geschäftsfähigkeit ihrer Kundschaft kümmern. Ob das rechtens ist, konnte Frontal 21 wohl nicht eindeutig herausfinden. Aber vom Rechtsempfinden kann es wohl nicht sein, dass eine Bank das Privatvermögen ihrem Kunden vorenthält.
Natürlich hat die Geschädigte den Klageweg beschritten. Aber wieviel Aufregung das für sie bedeutet, kann man sich ja vorstellen.
Gibt es ähnliche Fälle? Wo bleiben hier die Verbraucherschützer? Muss man wohl seine Bank regelmäßig wechseln, damit diese nicht Bankeigentum und Kundeneigentum verwechselt?
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1304048/Frontal21-Sendung-vom-5-April-2011