Kann man sich den Gang zum Supermarkt wirklich sparen? Noch sind Kritiker skeptisch. Foto: epd

Seit kurzem liefert auch Amazon, Weltmarktführer im Versandhandel, deutschen Verbrauchern frische Lebensmittel nach Hause. Für ältere Menschen ist dieses Angebot eigentlich großartig. In einem Video, das man direkt auf unserer Seite sehen kann, beschreibt Amazon selbst seine neue Dienstleistung. Kritiker sind aber aus verschiedenen Gründen skeptisch.
Man sucht sich online aus, was man braucht – und kurz darauf werden die Lebensmittel von einem Versanddienstleister an die Haustüre gebracht. So einfach klingt es, wenn man sich das Amazon-Werbevideo anschaut. Und tatsächlich ist der Versuch des Unternehmens für Senioren eine große Hilfe – vor allem aber wohl deshlab, weil es frischen Wind in einen Markt bringt, der sich bislang wenig Mühe mit der Belieferung frischer Kost per Post gegeben hat. Doch die Tücke steckt im Detail, wie ein Bericht des Nachrichtensenders NTV oder ein kleiner Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ergeben haben.

Bei dem Test in der FAS bestellte sich die Jounalistin Carola Sonnet von mehreren Anbietern, darunter auch Amazon, Lebensmittel nach Hause. Der Titel ihres Beitrags lautet “Wo bleibt der Apfel?” Und genau hier liegt schon der erste Haken: Die Wartezeiten sind oft zu lang. Kommt das Paket, wenn man gerade nicht daheim ist, wird es am nächsten Tag wieder ausgeliefert. Nach dem dritten Versuch jedoch muss man es womöglich in einem Depot abholen, was für Senioren völliger Unsinn wäre. Manchmal wird so ein Paket auch beim Nachbarn abgegeben. Nun kann es aber sein, dass dieser es vor die Tür in die pralle Sonne stellt und die Schokolade dahinschmilzt. Oder dass er selbst zwei Tage verreist ist und gar nicht damit rechnet, dass hier frische Waren verderben. In dem Test schnitt übrigens ein Anbieter ganz gut ab, aber eben nicht Amazon, sondern Gourmondo.
In einem Video des Nachrichtensenders NTV werden neben dem Wartezeiten- und dem Auslieferungs-Problem auch andere thematisiert: Unter anderem, dass die Verbraucher bei der Online-Bestellung zu wenig Informationen über die Produkte erhalten, sogar weniger, als auf der Packung stehen. Und in dem Video befragte Supermarkt-Kunden geben zu bedenken, dass man zum Beispiel bei Äpfeln gerade nicht nachschauen kann, wie frisch sie sind, ob sie Druckstellen haben etc.
Bei aller Kritik an den Angeboten können sich ältere Menschen doch darauf freuen, dass sich am deutschen Markt nun etwas tut. Wie die Leserkommentare unter dem FAS-Artikel andeuten, haben Supermarktketten in der Schweiz es schon geschafft, einen funktionierenden Online-Vertrieb für Lebensmittel aufzubauen. Und in Deutschland haben viele lokale Supermärkte einen ähnlichen, nicht einmal besonders teuren Service auch schon im Angebot. Vielleicht sind sie künftig gezwungen, ihn zu ähnlichen Konditionen wie Amazon anbzubieten (versandkostenfrei ab 20 Euro) und auch besser zu bewerben.