Die Diskussion über den richtigen Umgang mit der Umbenennung von Straßen, Denkmäler und Ehrungen vorheriger Generationen ist voll entbrannt. Am Donnerstag, 20. August 2020 von 18 bis 19.30 Uhr diskutieren Experten über dieses Thema in einer Online Konferenz.  Soll man also Straßen umbenennen und die einstigen Helden vom Sockel stürzen oder sie stehen lassen wie das Marx-Engels Denkmal am Berliner Alexanderplatz?

Zu einer Diskussionsrunde via Zoom mit Prof. Friederike Fless, der Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, der Leiterin des Museums in der Zitadelle Spandau, Dr. Urte Evert und dem Spätantike-Experten und wissenschaftlichen Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Rom, Dr. Norbert Zimmermann ist jeder eingeladen, der sich intensiver mit der Materie beschäftigen möchte.

Ob Kolumbus Denkmal in USA oder die Mohrenstraße in Berlin: Kritiker fordern die Entfernung der Zeichen früherer Zeiten, weil sie angeblich nicht mehr in das heutige Lebensgefühl passen und diskriminierend wirken. sollen die unterschiedlichen Motive in der Errichtung, Umwidmung und Demontage von Gedenkorten besprochen und die Frage nach der Legitimation im Umgang mit Denkmälern gestellt werden. Die langfristige historische und archäologische Perspektive auf die Auseinandersetzung mit Bildwerken als Inszenierung eigener Geschichte und deren sich wandelnder Wahrnehmung ist damit durchaus als Beitrag zur gegenwärtigen Debatte zu verstehen.

Denkmäler sind als visualisierte Erinnerung subjektive, vor allem zum Zeitpunkt ihrer Errichtung geltende Lesarten erinnerter Geschichte. Gedenkkultur allerdings ist flexibel, insbesondere in der Bewertung historischer Narrative, die einem gesellschaftlichen Wandel unterworfen sind und im öffentlichen Diskurs immer wieder neu ausgehandelt werden können. Das illustriert u.a. die aktuelle verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückte Debatte zu Rassismus und Kolonialismus, die eng an Sichtbarkeit und Gedenken mit diesen Themen verbundener historischer Persönlichkeiten im urbanen Raum geknüpft ist.

Insbesondere Zeiten politischen und gesellschaftlichen Wandels sind häufig Anlass für eine Neuaushandlung erinnerungswürdiger Personen und Ereignisse. Und der Art und Form, die diese Erinnerung einnehmen soll. Das Errichten ebenso wie das Entfernen von Denkmälern, die Benennung und Umbenennung von Straßen und Plätzen folgen einer gesellschaftlichen Dynamik, die sich von den ursprünglich erinnerten Ereignissen selbst löst und einen neuen, aktualisierten Bezug herstellt. Episoden gestürzter und geraubter Denkmäler oder getilgter Herrscherportraits und Namensinschriften lassen sich weit in die Antike zurückverfolgen. Ikonoklasmus und damnatio memoriae sind Phänomene, die uns in vielerlei Gestalt begegnen – das Vergessen-machen-wollen ist dabei ebenso alt wie das Gedenken.

Die Veranstaltung wird via Zoom durchgeführt.

Aufmacher Foto von epd: U-Bahnstation Mohrenstrasse in Berlin-Mitte (Foto vom 14.07.2020). Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG hatten Anfang Juli zunaechst angekuendigt, den Stationsnamen in Glinkastrasse umzubenennen. Nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) ist eine Strasse benannt, die nahe der U-Bahn-Station auf die Mohrenstrasse trifft. Michail Iwanowitsch Glinka wird nun Antisemitismus vorgeworfen.

Hinweise zur Teilnahme:
Anmeldelink: https://zoom.us/webinar/register/WN_BEYN1ju6TmOwXNRAc68EKQ