Die Vorfahren von Eberhard Brunel-Geuder hatten vier Schlösser in Heroldsberg. Er hat sich für den Umbau des Weißen Schlosses eingesetzt.

Sie liegen erhaben über Heroldsberg – das Grüne oder Rabensteiner Schloss, das Rote Schloss, das Gelbe Schloss und das Weiße Schloss. Und sie lassen ahnen, was für ein stolzes Adelsgeschlecht ihre Erbauer waren. Errichtet wurden sie alle ab dem späten 15. Jahrhundert von der Nürnberger Patrizierfamilie Geuder, den Ortsherren der Gemeinde. Man vermutet, dass die Namen der Bauten von den ursprünglichen Farben ihrer Fensterläden bzw. der Beschaffenheit der Fassaden herkommen.

Ein Nachfahre des Geuder-Geschlechts hat sich dieser Historie und besonders dem Weißen Schloss mit Haut und Haaren verschrieben. Er belebt Altes neu und sorgt mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern dafür, dass sich »seine« Marktgemeinde immer mehr zu einem bedeutenden Zentrum für Kunst und Kultur vor den Toren Nürnbergs entwickelt: Eberhard Brunel-Geuder (69), Vorsitzender der Kulturfreunde Heroldsberg e.V. und langjähriger Kommunalpolitiker, davon zwölf Jahre stellvertretender Bürgermeister des Marktes, hat 1991 mit der Gründung des Vereins eine Entwicklung angestoßen, auf die man im Ort mit Recht stolz sein kann. Auch wenn es ein weiter Weg war vom früheren Rathaus im Weißen Schloss, bis hin zu den multifunktionalen, mit modernster Technik ausgestatteten Museums-, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen, die sich nun dort finden.

Der Heroldsberger Historie ein Zuhause gegeben

Begonnen hat alles mit einer Sammlung von Exponaten zur Ortsgeschichte, lange bevor der Traum vom eigenen Museum wahr werden konnte. Dann kam eine private Sammlung aus der Familie Brunel-Geuders hinzu und schließlich Werke des Künstlers Fritz Griebel (1899-1976), ehemaliger Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Seine Arbeiten prägten die Nürnberger Kunst von den 1950-er bis in die 1980-er Jahre.

Doch zunächst musste ein neues Rathaus gebaut werden. Dann erst konnten Brunel-Geuder und die Kulturfreunde loslegen und dafür sorgen, dass das bisherige Rathaus, eben das Weiße Schloss, vom Markt Heroldsberg zu einem Zentrum für kulturelle Zwecke umgestaltet wurde. Vom Wunsch bis zur Verwirklichung dauerte es eine Zeit. Die kommunalpolitischen Mühlen mahlten langsam, und erst als es ein »Ja« zu den Plänen aus dem Gemeinderat gab, konnte mit der Finanzierung begonnen werden. 

Der Innenminister schaltete sich ein

Doch auch dann lief nicht alles reibungslos. Noch heute merkt man es Eberhard Brunel-Geuder an, wie sehr ihn damals die Auseinandersetzung um einen modernen Schloss-Anbau mitgenommen hat. Zwei Jahre dauerte es, bis sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und der Bereich Städtebauförderung bei der Regierung von Mittelfranken auf einen Kompromiss geeinigt hatten. »Da kam mir dann doch meine kommunalpolitische Erfahrung zu Gute. Dank des Einsatzes von Innenminister Joachim Herrmann, zu dessen Wahlkreis Heroldsberg gehört, konnte nach einem von ihm moderierten Behördengespräch endlich Weißer Rauch aufsteigen«, erinnert sich der Förderkreisvorsitzende dankbar. »Jetzt konnten wir an die Umsetzung unserer Ideen gehen und schließlich am 24. März 2017 die offizielle Einweihung des kulturellen Zentrums feiern.« 

Ob die Erfüllung seines langjährigen Traums wohl auch mit der Tatsache zu tun hat, dass er einen bedeutenden Namen trägt? »Ich bin im Roten Schloss groß geworden. Dort habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. In einem solchen historischen Umfeld wächst man natürlich anders auf als in einer normalen Wohnung. Das ist mir allerdings erst später so richtig bewusst geworden. Das Erforschen der Familiengeschichte, der Geschichte des Ortes und das historische Erbe in Form von Ahnenbildern, die jetzt als Stiftung im Weißen Schloss zu sehen sind, haben mich schon stark geprägt«, meint er.

Café im Schlosshof

Der Anbau gibt dem historischen Gebäude ein modernes Gesicht.

500 Mitglieder hat der Verein mittlerweile, die aktive Mitarbeit – vom Museumsdienst bis zur Betreuung der Außenanlagen – teilen sich etwa 60 Ehrenamtliche. Auch Simone Brunel-Geuder, seine Ehefrau, macht tatkräftig mit. Sie kümmert sich unter anderem mit um die Redaktion des Programmheftes. Und das Angebot kann sich sehen lassen: Von Konzerten über Führungen, Ausstellungen, Lesungen und Geselligem reicht die Palette. Daneben trägt sie Verantwortung für das Schlosscafé im Hof. Es öffnet bei schönem Wetter von April bis Oktober seine Pforten. Aber auch die museumspädagogischen Angebote und die Verwaltung gehören zu ihren Aufgaben.

Die Pandemie hat in den letzten beiden Jahren auch vor den Toren des Weißen Schlosses nicht Halt gemacht. Dutzende von Veranstaltungen mussten verschoben werden. Allein den Auftritt des Kabarettisten Gerhard Polt hat es drei Mal erwischt. Und das Museum war ein ganzes Jahr geschlossen. »Mit Sorge erinnere ich mich an unsere letzte Sonderausstellung«, so Brunel-Geuder. 15.000 Euro hatte der Förderkreis dafür investiert, und dann konnte man sie gerade mal an zwei Tagen öffnen, um sie nach einem monatelangen Lockdown schließlich doch noch zeigen zu können.

Brunel-Geuders größter Wunsch für die Zukunft: »Das Museum muss auch für die kommenden Jahre Bestand haben. Wenn ich mich aus der administrativen Arbeit zurückziehe, soll es erfolgreich und nachhaltig weitergehen. Die Kultur in Heroldsberg soll weiter in die Region strahlen und auch Mut machen für ähnliche Initiativen.«

Text: Karin Jungkunz
Fotos: Michael Matejka

Information

  • Geöffnet Mi 10–13 Uhr, Fr–So 15 – 18 Uhr
  • Schloss-Café: Von April bis Oktober sonntags ab 15 Uhr, bei schönem Wetter im Hof des Schlosses
  • Weitere Informationen: Eberhard Brunel-Geuder: Tel. 0911/ 518 75 35, mail@weisses-schloss-heroldsberg.de